
Johanna und Herbert Schwarzbach
Herbert Schwarzbach wurde am 15. Mai 1884 in Wronki in Polen geboren. Er erlernte einen kaufmännischen Beruf und hatte im Laufe der Jahre einige Anstellungen in verschiedenen Städten. 1918 zog er von Elberfeld nach Euskirchen, wo er eine Anstellung als Geschäftsführer im Kaufhaus Tietz antrat. Kurz zuvor hatte er die aus Lingen stammende Johanna Herz geheiratet. Gemeinsam bezogen die beiden ein Wohnhaus in der Breite Straße.
Das Krisenjahr 1923 und die Weltwirtschaftskrise 1929 verstärkten in den 1920er Jahren den schwelenden Antisemitismus der Bevölkerung. Die NS-Bewegung griff diese Atmosphäre auf und rückte den Antisemitismus ins Zentrum ihrer Politik. Ab 1933 erlebten jüdische Familien wie die Schwarzbachs alltägliche Anfeindungen.
Nach der Ernennung Hitler zum Reichskanzler im Jahr 1933 wurden bis 1945 viele Millionen Menschen wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt. Sie wurden entrechtet, terrorisiert und angefeindet.
Am 1. April 1933 rief die neue nationalsozialistische Regierung zu einem Boykott aller jüdischen Geschäfte auf. Auch in Euskirchen formierte sich die SA zu einem Fackelzug und verklebte Schaufenster jüdischer Geschäfte und behinderte die Kunden an deren Betreten. Wer noch in jüdischen Geschäften Besorgungen erledigte, wurde solange angefeindet, bis niemand mehr dort einkaufte. Den Lebensunterhalt zu verdienen wurde für viele jüdische Familien immer schwieriger.
Die NSDAP-Führung versuchte die Juden durch Verordnungen zu entrechten und zur Emigration zu treiben und schürte dadurch den antisemitischen Terror weiter. Um diesen Terror zu kanalisieren, ließ Adolf Hitler 1935 auf dem Reichsparteitag der NSDAP eine gesetzliche Regelung ausarbeiten. Am 15. September wurden das "Reichsbürgergesetz" und das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" verabschiedet. Diese sog. Nürnberger Gesetze stempelten die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu Menschen minderen Rechts ab. Herbert und Johanna Schwarzbach suchten daraufhin im Juli 1936 – wie viele andere auch – Zuflucht und Anonymität in der Großstadt und zogen nach Köln. Doch auch hier hörten die Drangsalierungen nicht auf.
Ab September 1941 wurden alle Juden ab einem Alter von sechs Jahren gezwungen, einen sog. Judenstern zu tragen. Dabei handelte es sich um einen sechszackigen gelben Stern aus Stoff, auf dem das Wort „Jude“ stand. Dieser musste deutlich sichtbar für jeden an der Kleidung getragen werden. Bei Missachtung folgten hohe Strafen, die nicht selten gewaltsam endeten.
1941 beschloss die nationalsozialistische Führung die Umsetzung der „Endlösung“ – den systematischen Massenmord an den europäischen Juden. So wollte das Regime die ethnische Neuordnung Osteuropas im Rahmen seiner Rassenpolitik erzwingen. Am 15. Oktober 1941 begann die systematische Deportation der deutschen Juden in Ghettos, Lager und Vernichtungsstätten. Dort wurden bis 1945 sechs Millionen Menschen ermordet.
Am 7. Dezember 1941 wurden Herbert und Johanna Schwarzbach zum Bahnhof Köln-Deutz gebracht. Von dort aus deportierte man sie mit dem Zug ins Ghetto Riga.
Zwischen dem 27. November 1941 und dem 26. Oktober 1942 verließen 25 Züge das Deutsche Reich einschließlich des angeschlossenen Österreichs und der annektierten Tschechoslowakei Richtung Riga. Betroffen waren fast 25.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus 16 Städten und umliegenden Regionen. Nur etwa 1080 Menschen dieser Deportationstransporte überlebten und wurden befreit.
Kurz nach der Ankunft in Riga starb Herbert Schwarzbach an den Folgen der jahrelangen Drangsalierungen. Seine Frau Johanna blieb alleine zurück. Drei lange Jahre blieb sie im Ghetto eingesperrt.
Mit der Annäherung der Ost-Front 1944 begannen SS und Polizei mit der systematischen Rückführung der in den baltischen Staat noch lebenden jüdischen Häftlinge nach Westen. Über Libau wurden sie zunächst in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig gebracht. Unter ihnen war auch Johanna Schwarzbach.
Die deutschen Besatzer hatten zuvor in dem kleinen Dorf Stutthof ein Lager errichtet. Von 1939 bis 1945 diente dieses Lager der Inhaftierung von etwa 100.000 Menschen, darunter etwa 50.000 jüdische Häftlinge. Fast 65.000 der dort Inhaftierten wurden ermordet. Viele von ihnen starben an Hunger, Krankheiten oder Erschöpfung.
Johanna Schwarzbach wurde am 11. Dezember 1944 im Konzentrationslager Stutthof ermordet.