Das archivpädagogische Programm des Stadtarchivs bietet lehrplanbezogene Zugänge zur Stadtgeschichte, zur archivischen Quellenarbeit und zu zentralen Themen des Geschichts- und Sachunterrichts. 

Es umfasst altersgerechte Archivführungen für Grundschulen („Archiventdecker vor Ort") sowie für die Sekundarstufen I und II („Archivexperten vor Ort") mit Einführungen in die Urkunden-, Schrift- bzw. Familienkunde. Zum Themenfeld Nationalsozialismus und Holocaust stehen drei aufeinander abgestimmte Module zur Verfügung: der Workshop und der Stadtrundgang „Gegen das Vergessen" sowie die Unterrichtsmappe „Schule im Nationalsozialismus". Die frei verfügbare Quellenedition zum Krisenjahr 1923 kann von Lehrpersonen in eigenem Ermessen im Unterricht eingesetzt werden.

Alle Angebote sind kostenlos.

Das komplette Programm finden Sie hier zum Download.

Archivführungen für Schulklassen

Die Schülerinnen und Schüler lernen während der Archivführung die verschiedenen Arbeitsbereiche eines Stadtarchivs kennen und erfahren, unter welchen Voraussetzungen man im Archiv forschen kann.

Im Anschluss besuchen die Kinder die Bereiche, die in der Regel nur von den Archivmitarbeitenden betreten werden dürfen, wie den Vorbereitungsraum und das Archivmagazin, in dem die Archivalien aufbewahrt werden.

An verschiedenen Stationen erfahren sie Wissenswertes über die Stadtgeschichte und die Unterlagen im Stadtarchiv. Sie lernen alte Schriften kennen und erhalten Einblicke in die Erhaltung von Archivalien für kommende Generationen.

 

Zu den Führungen können verschiedene Workshops je nach Altersgruppe hinzugebucht werden:

3.-4. Klasse: Im Wappenatelier lernen die Schülerinnen und Schüler die Grundlagen der Wappenkunde kennen und gestalten ihr eigenes Wappen unter Anleitung der Archivmitarbeitenden.

5.-6. Klasse: In der Urkundenwerkstatt lernen die Schülerinnen und Schüler die Grundlagen der Urkundenlehre kennen und gestalten unter Anleitung der Archivmitarbeitenden ihre eigene Urkunde.

7.-10. Klasse: In der Schreibwerkstatt lernen die Schülerinnen und Schüler die Geschichte der Schrift kennen und erfahren etwas über historische Schreibwerkzeuge und -materialien. Unter Anleitung der Archivmitarbeitenden verfassen sie eigene Postkartentexte in Sütterlinschrift, die vom Stadtarchiv aus verschickt werden.

11.-13. Klasse: Eine kurze Einführung in die Familienkunde bereitet die Schülerinnen und Schüler auf einen Workshop zur Familienkunde vor. Mithilfe eines Koffers, in dem sich verschiedene Urkunden und Archivalien befinden, erstellen die Schülerinnen und Schüler den Stammbaum der Euskirchener Tuchfabrikantenfamilie Koenen aus Kuchenheim. Der Fabrikant Karl Koenen erhielt 1953 Kuchenheims Ehrenbürgerurkunde. Die Geschichte seiner Familie reicht über 200 Jahre zurück. Beim Sichten der Archivalien lernen die Teilnehmenden das Auswerten historischer Quellen kennen, werden an alte Schriften herangeführt und entdecken familiäre und historische Zusammenhänge, die sie sowohl privat als auch schulisch nutzen können.

Workshop "Gegen das Vergessen"

Die Themenfelder Nationalsozialismus und Holocaust sind fester Bestandteil des Lehrplans in NRW. Um die Auswirkungen der lokalhistorischen Ereignisse nach der Machtübernahme Hitlers auf die jüdische Bevölkerung darzustellen, hat das Stadtarchiv Biographien Euskirchener Familien zusammengestellt. Diese werden den Schülerinnen und Schülern anhand unterschiedlicher Archivquellen in einem 60-minütigen Vortrag vorgestellt.

Im Anschluss haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, anhand sogenannter Erinnerungsboxen den Lebensweg eines jüdischen Kindes aus Euskirchen zu rekonstruieren.

Stadtrundgang "Gegen das Vergessen"

Während eines Stadtrundgangs lernen die Schülerinnen und Schüler das Projekt „Stolperstein" des Künstlers Gunter Demnig kennen. Seit den 1990er-Jahren schafft er ein dezentrales Mahnmal für die Opfer des Holocausts in Form von Gedenksteinen, die in den Gehweg vor den Häusern eingelassen werden, in denen einst jüdische Familien lebten. Sie erfahren Wissenswertes über die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Häuser, stellen so einen persönlichen Bezug her und werden für den Umgang mit der Vergangenheit sensibilisiert.

Ergänzt wird der Rundgang durch einen Besuch des Mahnmals am Standort der ehemaligen Synagoge. Dort wird die Baugeschichte der Synagoge bis zu ihrer Zerstörung während der Pogromnacht näher beleuchtet.

Unterrichtsmappe "Schule im Nationalsozialismus"

Am Beispiel des Euskirchener Emil-Fischer-Gymnasiums wird in dieser Unterrichtsmappe in elf Modulen die Auswirkungen der Machtübernahme Hitlers und der Beginn des Zweiten Weltkrieges auf den Schulalltag dargestellt. Im letzten Modul werden darüber hinaus die Themen Kriegsende, Entnazifizierung und Vergangenheitsbewältigung aufgegriffen. Hierfür wurden vom Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit Lehrpersonen Texte und Aufgabenstellungen zur Erarbeitung des Themas zusammengestellt. Fotos und Dokumente aus dem Stadtarchiv vermitteln den Schülerinnen und Schülern einen authentischen Eindruck anhand von Originalquellen.

Die Unterrichtsmappe wird den Lehrkräften zur Anwendung im Geschichtsunterricht auf Anfrage als PDF-Datei zum Download zur Verfügung gestellt.

Quellenwerkstatt "1923: Alltag in der Krise"

Das Blog „1923: Alltag in der Krise. Quellen aus rheinischen Archiven" ist ein Gemeinschaftsprojekt von rund 20 rheinischen Archiven – darunter auch das Stadtarchiv Euskirchen –, das 2023 nahezu täglich digitalisierte Quellen aus dem Krisenjahr 1923 veröffentlicht hat. Die Beiträge bleiben dauerhaft online abrufbar und bilden inzwischen eine umfangreiche Quellensammlung mit über 3.000 Einträgen.

Im Blog werden unterschiedlichste Quellengattungen veröffentlicht – darunter Zeitungsartikel, Verwaltungsakten, Ratsprotokolle, Verwaltungsberichte, Dokumente aus privaten Nachlässen, Fotografien, Zeichnungen, Notgeldscheine, Karten, Flugschriften und Schulchroniken. Da jede Quelle mit Signatur, Transkription und in der Regel mit einer historischen Einordnung versehen ist, eignen sich die Beiträge unmittelbar für den Einsatz im Geschichtsunterricht: Schülerinnen und Schüler können sowohl das Originaldokument betrachten als auch den transkribierten Text lesen und die fachliche Kontextualisierung als Grundlage für die eigene Quellenkritik nutzen.

Sämtliche Beiträge sind unter 1923krise.hypotheses.org frei abrufbar und können sowohl für die Vor- und Nachbereitung im Unterricht als auch für die eigenständige Recherche genutzt werden. Die Beiträge eignen sich darüber hinaus als Materialgrundlage für Referate, Facharbeiten oder Projekttage.