Igelfreundliche Orte in Euskirchen
Die Stadt Euskirchen schützt den heimischen Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) durch die Anlage und Förderung igelfreundlicher Orte in städtischen Parkanlagen. Der Stadtbetrieb Technische Dienste unterhält diese ausgewählten Orte durch die Extensivierung der Pflegemaßnahmen. Zudem werden gezielt insektenfreundliche Wildblumenstreifen in unmittelbarer Nähe angelegt. Die dort lebenden Insekten dienen dem Igel als gute Nahrungsquelle.
Die ausgewählten Orte werden zum Schutz des Igels nicht veröffentlicht, da er nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt ist. Es gelten die sogenannten Zugriffsverbote. Demnach ist es verboten Igel nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten sowie ihre Entwicklungsformen oder Nester aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.
Igel schützen – Helfen Sie mit!
Im urbanen Raum findet der Igel in naturnah gestalteten Park- und Gartenanlagen einen Ersatzlebensraum, der ihm ausreichend gute Futterquellen und Unterschlupfmöglichkeiten bietet. Helfen Sie mit und beachten folgende Punkte:
Gärten naturnah gestalten
Der Igel bevorzugt Lebensräume mit einer Vielfalt an Pflanzen und Nahrungsquellen.
- Ungeeignete, artenarme Schottergärten zurückbauen und entsiegeln.
- Bevorzugt heimische, insektenfreundliche Blühpflanzen und Gehölze verwenden.
- Einzelne Stellen im Garten verwildern lassen.
- Flache Wasserflächen als Trinkgelegenheit anlegen.
- Im Spätsommer und Herbst in verwilderten Bereichen auf Schnittmaßnahmen verzichten.
- Benjeshecken aus heimischem Totholz oder Reisighaufen im Schatten anlegen.
Gärten igelsicher gestalten
In Park- und Gartenanlagen sollten potentielle Gefahrenquellen vermieden werden.
- Den Garten biologisch ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bewirtschaften.
- Auf Schneckenkorn und künstliche Düngemittel verzichten.
- Die Gartenbeleuchtung reduzieren.
- Gruben, Schächte und Gartenteiche absichern und mit Ausstieghilfen versehen.
- Den gesammelten Grünschnitt erst im April umschichten.
- Einen Durchlass in einer Größe von 10 cm x 10 cm im Gartenzaun belassen.
- Auf Rasentrimmer verzichten.
- Den Betrieb von Mährobotor auf 9.00 bis 17.00 Uhr begrenzen.
Empfehlungen des Kreises Euskirchen zum Betrieb von Mährobotern: https://www.kreis-euskirchen.de/aktuelles/pressemitteilungen/detail/maehroboter-im-garten/
Winterquartiere anlegen
Geeignete Winterquartiere an einem geschützten Standort ermöglichen dem Igel einen ruhigen Winterschlaf.
- Lockere Laubhaufen mit Hohlräumen aus gestapelten Ästen oder Steinen in der Mitte aufschütten.
- Das aufgeschüttete Laub zusätzlich mit Zweigen als Windschutz abdecken.
- Die Ast- und Laubhaufen erst ab März / April nach dem Winterschlaf der Igel entfernen.
Igel füttern
Wenn keine natürlichen Nahrungsquellen mehr zur Verfügung stehen, sollten unterernährte Igel vor der Winterruhe gefüttert werden.
- Katzenfutter mit mind. 60 % Fleischanteil, als Nass- oder Trockenfutter, ohne Soße oder Gelatine füttern.
- Zusätzliche eine flache Tränke mit Wasser aufstellen.
- Ungeeignete Futtermittel wie Milch, Haferflocken oder ähnliches vermeiden.
- Futterstellen ohne Bedarf zur Vermeidung von Krankheiten und Konkurrenzverhalten entfernen.
Igel helfen
Hilfsbedürftige Igel sollten nur von fachkundigen Personen versorgt werden. Ein Igel ist hilfsbedürftig, wenn er
- verletzt ist
- unterernährt ist, mit schmalem Körper und deutlichen Einbuchtungen hinter dem Kopf
- krank ist, apathisch wirkt und eingefallene Augen hat
- als junger Igel Anfang November unter 500 Gramm wiegt
- nach dem Wintereinbruch bei Dauerfrost und Schnee aktiv ist
In Euskirchen ist dies die Igel-Pflegestation in Dom-Esch: https://tierschutz-euskirchen.de/ueber-uns/igel-pflegestation/
Hintergrund
In Deutschland kommen zwei Igelarten vor. Der bekannte Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) ist im gesamten Bundesgebiet verbreitet. Dagegen kommt der Nördliche Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) nur in den Randgebieten Ostdeutschlands vor.
Ein Igel kann bei einer Körperlänge von bis zu 30 Zentimeter ein Gewicht von bis zu 1.500 Gramm erreichen. Die männlichen Tiere sind dabei etwas schwerer als die weiblichen Tiere. Das Stachelkleid des Igels hat bis zu 8.000 Stacheln, mit denen er sich vor Fressfeinden schützt. Zu seinen heimischen Feinden zählen der Dachs, der Fuchs, der Uhu sowie der Marder.
Der dämmerungs- und nachtaktive Igel ernährt sich hauptsächlich von wirbellosen Tieren wie Insekten oder Würmern. Die Zahl der Braunbrustigel in ganz Europa ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen, so auch in Nordrhein-Westfalen. Der Igel benötigt als Lebensraum eine arten- und abwechslungsreiche Landschaft mit dichten Hecken und Gebüschen als Versteckmöglichkeiten. Diese sind in der heutigen intensiv genutzten Kulturlandschaft sehr rückläufig. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führt zu einer Abnahme von Wildpflanzen sowie der Einsatz von Insektiziden zu einem Artensterben unter den wirbellosen Tieren. Zusätzlich verschlechtert der Klimawandel zunehmend die Lebensbedingungen für den Igel. So wachen Igel zu früh aus dem Winterschlaf auf und finden in dieser Zeit nicht genügend Futter. Ein weiteres Problem ist der Straßenverkehr. Die Verkehrsflächen zerschneiden die Lebensräume des Igels und stellen eine enorme Gefahr bei den Wanderbewegungen der Tiere dar.
