Archivale des Monats - Beiträge 2022

Archivale des Monats Januar

Das Archivale des Monats Januar ist die Stadtrechtsurkunde aus dem Jahr 1302, deren Verleihung sich in diesem Jahr das 720. Mal jährt. Dabei handelt es sich um ein 32 x 35 cm großes Pergament aus Kalbsfell in der im 14. Jahrhundert üblichen gotischen Kursivschrift und in lateinischer Sprache, mit dem der Landesherr Walram VIII. von Monschau-Falkenburg das Dorf Euskirchen zur Stadt ernannte. So bekam Euskirchen auch mit dem Rathaus einen Sitz für Gericht und Verwaltung und Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Wall, der die Stadt umgab, durch einen Mauerring ersetzt.

Es gibt nur wenige Städte im Rheinland, die ihre mittelalterliche Stadtrechtsurkunde noch besitzen und so zweifelsfrei den Tag ihrer Erhebung zur Stadt belegen können. Dabei hat die Euskirchener Urkunde eine bewegte Geschichte. Bei den Recherchen zur 650-Jahrfeier 1952 wurde die Urkunde im Historischen Archiv der Stadt Köln entdeckt, wo sie bereits seit 150 Jahren aufbewahrt wurde. Nachforschungen ergaben, dass die Urkunde zuvor im Besitz des 1840 gestorbenen Pfarrers Augustin Lux war, der in Euskirchen geboren wurde und Pfarrer in Enzen war. 1807 übergab Lux die Urkunde an den Gründer des Kölner Wallraff-Richartz-Museums, der sie wiederum zur Aufbewahrung an das Kölner Stadtarchiv weiterreichte. 1958 wurde die Urkunde dann an das Stadtarchiv Euskirchen ausgehändigt. Dort wird sie seitdem verwahrt.

Archivale des Monats Februar

Die Archivalien des Monats Februar 2022 sind ein Foto der ersten Schlüsselübergabe nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und ein Bild des alten Stadtschlüssels.

Traditionell wurde an Karneval dieser Stadtschlüssel vom Bürgermeister an die Karnevalisten überreicht. Nach der Umgestaltung des Logos wurde ein anderer Schlüssel angefertigt, der heute noch in Gebrauch ist. Das Foto zeigt den Euskirchener Bürgermeisters Josef Blaß mit Prinz Matthias I. 1952 bei der Übergabe des Schlüssels auf dem Balkon des Alten Rathauses.

Bei der Schlüsselübergabe handelt es sich um einen wichtigen Brauch im Karneval. Er signalisiert den Beginn der „tollen Tage“ in der Karnevalszeit und ist Teil des symbolischen Rathaussturms. Dabei wird der Bürgermeister „gezwungen“, den Schlüssel zum Rathaus für die närrischen Tage an das Prinzenpaar zu übergeben. Am Rosenmontag folgt schließlich der Karnevalszug, der in Euskirchen erstmals am 13. Februar 1934 stattfand.

Archivale des Monats März

Das Archivale des Monats März 2022 ist ein Foto des Marienhospitals um 1900 von Otto Mertens, der seine fotografische Sammlung 1992 der Stadt Euskirchen vermachte.

Das Marienhospital befand sich nicht immer am heutigen Standort in der Nähe des Stadtwaldes. Auf dem Foto ist das Krankenhaus an seinem Entstehungsort in der Innenstadt zu sehen. Die Anfänge gehen bis ins Jahr 1853 zurück, als der Stifter, Dechant Jakob Vogt, das Haus neben der Klosterkirche erwarb und dort 1855 ein „Armen-, Alten- und Krankenhaus“ gründete. Da in den ersten Jahren keine Ärzte angestellt wurden, kam die Genossenschaft der „Armen Schwestern vom Heiligen Franziskus“ aus Aachen zur Hilfe, deren Schwestern bis 1971 im Krankenhaus arbeiteten.

1863 wurde die Marienhospital-Stiftung gegründet. Dechant Vogt vermachte ihr das „Luhrs’sche Haus“, das man in „Marienhospital“ umbenannte.

Erst 1938 wurden die ersten leitenden Ärzte für Chirurgie und Innere Medizin angestellt.

Bis zur Zerstörung des Marienhospitals im Zweiten Weltkrieg, bei einem Luftangriff am 7. Januar 1945, wurde es mehrere Mal erweitert. Zu dieser Zeit war glücklicherweise der Betrieb bereits in die Burg Kirspenich verlegt worden. Der Wiederaufbau des Krankenhauses dauerte bis 1951. Trotz weiterer Anbauten wurde das Gebäude allmählich zu klein für die stetig wachsende Bevölkerung Euskirchens und so entschied man sich 1962 für einen Neubau in der Gottfried-Disse-Straße. 1970 erfolgte der Umzug ins neue Gebäude. Das alte Marienhospital an der Klosterstraße im Bereich des heutigen Geländes des City-Forums und des Klostergartens, wurde ab 1970 zunächst als Polizeischule genutzt. Danach stand es leer und verfiel. 1980 wurde das Gebäude schließlich abgerissen.

Archivale des Monats April

Das Archivale des Monats April ist die Marktrechtsurkunde, mit der Euskirchen am 13. April 1322 durch Reinald Herr von Monschau-Falkenberg das Recht verliehen wurde, einen Wochenmarkt sowie einen Jahrmarkt abzuhalten. Seitdem kaufte die Euskirchener Bevölkerung mittwochs auf dem Wochenmarkt am Klosterplatz ein und feierte im September einen einwöchigen Jahrmarkt. Erst später wurde die Kirmes auf den Tag der Apostel Simon und Juda verlegt, an dem auch heute noch die Herbstkirmes gefeiert wird. Hinzu kam im Jahr 1784 wurde die Maikirmes, wie man sie heute kennt.

Bei der Marktrechtsurkunde handelt es sich um ein in lateinischer Schrift verfasstes und ca. 30 x 30 cm großes Pergament, das im oberen linken Bereich verblasst, ansonsten aber gut erhalten ist. Die Urkunde wurde viele Jahre lang im Stadtarchiv Düren aufbewahrt, in dessen Besitz sie vermutlich um 1890 durch einen Nachlass eines Bonner Professors gelangte. Im November 1959 konnte die Urkunde dann zurück nach Euskirchen geholt werden, wo sie seitdem im Stadtarchiv aufbewahrt wird.

In diesem Monat feiert die Marktrechtsurkunde ihren 700. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums wird sie erstmals seit langem öffentlich ausgestellt. Im Herbst dieses Jahres kann die Urkunde im Original in der Ausstellung rund um das Thema Markt und Kirmes im Stadtmuseum Euskirchen bewundert werden.

Archivale des Monats Mai

Das Archivale des Monats Mai 2022 steht ganz im Zeichen aller Mütter und ist das Gedicht „Muttertag.“, abgedruckt in Frakturschrift auf der Titelseite des Euskirchener Volksblatts vom 12. Mai 1928. 

Die Anfänge des Muttertages findet man in den Vereinigten Staaten. Zunächst gründete 1865 die US-Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis die Mütterbewegung „Mothers Friendships Day“, um Müttern eine Plattform des Austauschs zu schaffen. Als Schöpferin des heutigen Muttertags gilt jedoch ihre Tochter, Ann Marie Jarvis. Sie machte es sich zum Ziel, den Muttertag als offiziellen Feiertag zu etablieren. So begann sie, Briefe an Institutionen und einflussreiche Persönlichkeiten zu schreiben, um für ihre Initiative zu werben. 1914 gab der US-Kongress dem Anliegen seinen Zuspruch und so wurde 1914 erstmals der Muttertag als nationaler Feiertag begangen.
Es dauerte nicht lange bis das Phänomen auch Europa erreichte. Zunächst feierte man den Muttertag in Großbritannien, später in der Schweiz (1917), gefolgt von Finnland und Norwegen (1918) und Schweden im Jahr 1919. In Deutschland wurde der Muttertag erstmalig am 13. Mai 1923 gefeiert. Etabliert wurde er hierzulande vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber (heute Fachverband Deutscher Floristen GmbH) mit der Parole „Ehret die Mutter“. Im Jahre 1933 wurde der Muttertag in Deutschland zum öffentlichen Feiertag erklärt und als „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ begangen.

Traditionell wird der Muttertag in Deutschland wie auch in den USA und anderen Ländern am zweiten Sonntag im Mai begangen. Aus diesem Anlass wünscht das Team des Stadtarchivs allen Müttern heute einen schönen und erholsamen Muttertag.

Archivale des Monats Juni

Das Archivale des Monats Juni 2022 ist eine Postkarte der Badeanstalt Euskirchen aus den 1930er Jahren. Sie zeigt den Badebetrieb und die Anlage vor der Kriegszerstörung.
Schon 1910 gab es Bestrebungen, eine Badeanstalt an der Erft zu errichten, doch erst am 09.12.1924 wurde in der Stadtverordneten-Versammlung die Schaffung einer Badeanstalt am Schwalbenberg neben der Erft beschlossen.
Es hieß, dass „die Errichtung einer Freibadeanlage [notwendig sei], damit denjenigen Klassen von Bürgern, den es bei dem geringen ihnen zu Verfügung stehenden Wohnraum nicht möglich ist, im eigenen Heim den Körper zu reinigen, dazu wenigstens in den Sommerzeiten, wenn die Schweißbildung am stärksten ist, Gelegenheit geboten wird durch die Anlagen der Freibadanlage.“
So wurde am 03.06.1926 das städtische Freibad mit umgebender Liegewiese durch Bürgermeister Gottfried Disse (Euskirchener Bürgermeister von 1910 bis 1943) eröffnet. 
Die Badeanstalt entwickelte sich zu einer beliebten Erholungs- und Aufenthaltsstätte, die schließlich auch zur Gründung zahlreicher Schwimmabteilungen der Sportvereine führte.
Anfang 1945 wurde die Anlage bei einem Luftangriff vollständig zerstört. 
Der Wiederaufbau dauerte bis 1952. Am 05.07.1952 wurde die wieder aufgebaute Badeanstalt durch Bürgermeister Josef Blaß feierlich eingeweiht. Im Jahr 2007 wurde der Badebetrieb eingestellt. Heute dient das Areal dem Freizeitsport.

Archivale des Monats Juli

Das Archivale des Monats Juli 2022 ist ein Foto vom Abriss des Hotel Joisten am Freitag, den 13. Juli 1973. 

Seit dem 19. Jahrhundert gehörte das Hotel Joisten am Alten Markt zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Euskirchen. 1875 kaufte Franz Xaver Joisten den von der Witwe Blesen bewirtschafteten Gasthof an der Ecke Markt und Neustraße. Das Gasthaus nannte er „Hotel Joisten“. Bis zum Abriss 1973 wurden hier Bälle, Feste, Kunstauktionen und Jubiläen gefeiert. Landadel, Karnevalisten, Geschäftsreisende und Politiker kehrten hier ein. Das einst „erste Haus am Platze“ war bis über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Franz Xavers Sohn Cornel Joisten übernahm das Hotel 1909 und ließ es im Stil des gründerzeitlichen Historismus erweitern. Bei einem Besuch von Prinz Friedrich Leopold von Preußen, dem Schwager Kaiser Wilhelms, am 11. Januar 1912 wurde Cornel Joisten zum preußischen Hoflieferanten ernannt. 
Nach Cornels Tod führte seine Ehefrau Gertrud Joisten den Betrieb weiter, bis 1962 neue Inhaber das Hotel übernahmen und weiterführten bis 1973. 

In einem Zeitungsartikel vom 07. Juni 1952 heißt es: „Die Zeit ist unaufhaltsam weitergeschritten, aber zwei Kriege und ihre Folgen haben die Tradition eines Gasthauses nicht zerstören können, das allen Euskirchenern ein Begriff ist.“ Doch schließlich setzte die Modernisierungswelle in den 1970er Jahren (es gab beispielsweise keine Sanitäranlagen in den Zimmern) dem Hotelbetrieb ein Ende. Am 13. Juli 1973 musste das Hotel Joisten weichen und wurde abgerissen.

Archivale des Monats August

Passend zum Welttag des Bieres am 5. August ist das Archivale des Monats diesmal ein Fundstück aus dem Jahr 1955: Zwei Bierflaschen aus der Euskirchener Brauerei Steffens.  

1696 begann in Euskirchen die Geschichte des Bierbrauens, als Familie Baum ein Brauhaus am Alten Markt eröffnete. Daraus gingen fünf verschiedene Brauereien hervor, von denen eine die spätere Brauerei Steffens in der Bahnhofstraße war. 
Aloys Steffens, gebürtig aus Linz am Rhein, erwarb 1897 fünfzig Prozent der Brauerei „Bürgerbräu“ im Winkelpfad 14. Damit erhielt er zusammen mit seinem Sohn die Geschäftsführung. Die anderen fünfzig Prozent gehörten der Dortmunder Actien-Brauerei. 
1936 übernahm Aloys Josef Steffens den Anteil seines Vaters und wurde alleiniger Geschäftsführer. 1939 wurde er zudem Teilhaber der Dortmunder Actien-Gesellschaft. 1966 verkaufte Steffens die Brauerei. 

Die Bierbrau-Produktion in Euskirchen wurde 1974 eingestellt, da kein „Kölsch-Bier“ mehr gebraut werden durfte. So schlossen die Brauereien oder siedelten um. Auch die „Rheinische Bürgerbräu GmbH“, ehemals Steffens, verlegte ihre Produktionsstätte nach Dormagen.