Familie Johanna und Wilhelm Markus Schwarz

Wilhelm Markus Schwarz, von allen Markus genannt, wurde am 22. März 1879 im benachbarten Embken bei Nideggen geboren. Seine Kindheit verbrachte Markus Schwarz gemeinsam mit seinen Eltern und seinen acht Geschwistern in Embken. Er erlernte den Beruf des Pferdehändlers. 1909 führten ihn seine Geschäfte nach Hannover, wo er Johanna Stahl kennenlernte. Die beiden heirateten und zogen nach der Hochzeit nach Euskirchen, wo Markus Schwarz eine Pferdehandlung in der Wilhelmstraße eröffnete.

Im Mai 1910 wurde die gemeinsame Tochter Erna Amalie geboren.

Das Krisenjahr 1923 und die Weltwirtschaftskrise 1929 verstärkten in den 1920er Jahren den schwelenden Antisemitismus der Bevölkerung weiter. Die NS-Bewegung griff diese Atmosphäre auf und rückte den Antisemitismus ins Zentrum ihrer Politik. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Jahr 1933 wurden bis 1945 viele Millionen Menschen wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt. Sie wurden entrechtet, terrorisiert und angefeindet.

Am 1. April 1933 rief die neue nationalsozialistische Regierung zu einem Boykott aller jüdischen Geschäfte auf. Auch in Euskirchen formierte sich die SA zu einem Fackelzug und verklebte Schaufenster jüdischer Geschäfte und behinderte die Kunden an deren Betreten. Wer noch in jüdischen Geschäften Besorgungen erledigte, wurde solange angefeindet, bis niemand mehr dort einkaufte. Den Lebensunterhalt zu verdienen wurde für viele jüdische Familien immer schwieriger. 

Die NSDAP-Führung versuchte die Juden durch Verordnungen zu entrechten und zur Emigration zu treiben und schürte dadurch den antisemitischen Terror weiter. Um diesen Terror zu kanalisieren, ließ Adolf Hitler 1935 auf dem Reichsparteitag der NSDAP eine gesetzliche Regelung ausarbeiten. Am 15. September wurden das "Reichsbürgergesetz" und das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" verabschiedet. Diese sog. Nürnberger Gesetze stempelten die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu Menschen minderen Rechts ab. Viele Familien entschlossen sich spätestens dann zur Ausreise in ein anderes Land und beantragten ihre Ausreisepapiere. Auch Familie Schwarz stellte einen solchen Antrag.

Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten zwang zahlreiche Jüdinnen und Juden zur Flucht ins Ausland. Während in den ersten Jahren nach Hitlers Machtergreifung die Mehrheit nach Westeuropa emigrierte, retteten sich die Flüchtlinge mit der zunehmenden Ausweitung des nationalsozialistischen Einflussbereiches später besonders nach Palästina, in die USA und nach Südamerika. Auf der Flucht vor nationalsozialistischer Verfolgung und Vernichtung verließen ab 1933 schätzungsweise bis zu 300.000 Juden Deutschland.

Im Oktober 1938 war Markus Schwarz gezwungen seinen Betrieb einzustellen. Die Familie verlor damit ihr Einkommen. 

Im März 1939 erhielten Markus Schwarz und seine Frau Johanna endlich die lang ersehnte Ausreisegenehmigung. Sie flohen nach Südafrika, wo seit 1938 ihre Tochter Erna Amalie mit ihrem Mann lebte.

Insgesamt flüchteten 5.500 jüdische Bürgerinnen und Bürger des Deutschen Reichs nach Südafrika, wo ab 1936 ein Vorzeigegeld von 100 britischen Pfund von den Behörden für die Einreise vorausgesetzt wurde. Ab 1937 galten verschärfte Bestimmungen und die Nachwanderung von Familienmitgliedern war nur bei einer Bürgschaft durch einen bereits aufgenommen Einwanderer möglich. So ermöglichte es Erna Amalie ihren Eltern nach Südafrika auszureisen.

Erna Amalie Schwarz gelang 1936 die Flucht nach England. Seit der Erlassung des Fremdengesetzes 1905 durfte jeder nach Großbritannien migrieren, der aufgrund der eigenen Religion oder politischen Einstellung sein Heimatland verlassen musste. Durch den Ersten Weltkrieg wurden die Einreisebedingungen verschärft, sodass jeder Einreisende überprüft wurde, bevor er dauerhaft im Land bleiben durfte. Ab 1933 wurde die Möglichkeit der Einreise direkt an den Häfen durch Beamte entschieden. Wichtigster Entscheidungsfaktor war hier vor allem die finanzielle Situation der Immigranten.

Durch die Annexion Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde eine neue Emigrationswelle ausgelöst, woraufhin die Einreisebedingungen verschärft wurden. Eine Einreise war nun in drei verschiedenen Fällen möglich: zur Weiterreise in ein anderes Land, zur Aufnahme einer Arbeit in Großbritannien oder durch Vorlegen eines Nachweises über Kapital zur finanziellen Absicherung. Erna Amalie Schwarz entschloss sich zur Weiterreise nach Südafrika. Dort lebte sie mit ihrem Mann in Port Elisabeth und setzte sich dafür ein, dass auch ihre noch in Euskirchen verbliebenen Eltern nachreisen konnten.

Wilhelm Markus, Johanna und Erna Amalie Schwarz und seiner Familie gelang mit der Ausreise nach Südafrika die Flucht vor dem Holocaust. Dort bauten sie sich ein neues Leben auf.