Familie Clementina und Samuel Meyer
Clementina Meyer geb. Mayer wurde am 24. Mai 1869 in Cochem an der Mosel geboren. Dort gab es bereits seit dem Mittelalter eine kleine jüdische Gemeinde.
Vermutlich um 1895 lernte sie den aus Euskirchen stammenden Viehhändler Samuel Meyer kennen. Die beiden heirateten und zogen nach Euskirchen in ein großes Haus in der Pützstraße, der heutigen Ursulinenstraße.
1898 kam Sohn Edgar zur Welt, ein Jahr später die gemeinsame Tochter Dorothea.
Als Clementina Meyer 64 Jahre alt war, wurde Hitler nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Führer und Reichskanzler. So wie sie wurden bis 1945 viele Millionen Menschen wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt. Sie wurden entrechtet, terrorisiert und angefeindet.
Am 1. April 1933 rief die neue nationalsozialistische Regierung zu einem Boykott aller jüdischen Geschäfte auf. Auch in Euskirchen formierte sich die SA zu einem Fackelzug und verklebte Schaufenster jüdischer Geschäfte und behinderte die Kunden an deren Betreten. Wer noch in jüdischen Geschäften Besorgungen erledigte, wurde solange angefeindet, bis niemand mehr dort einkaufte. Den Lebensunterhalt zu verdienen wurde für viele jüdische Familien immer schwieriger.
Samuel Meyer starb am 29. April 1934 im Alter von 74 Jahren. Seine Frau Clementina meldete den Viehhandel ab und lebte von einer bescheidenen Rente weiterhin mit ihren Kindern im Haus der Familie.
1941 beschloss die nationalsozialistische Führung die Umsetzung der „Endlösung“ – den systematischen Massenmord an den europäischen Juden. So wollte das Regime die ethnische Neuordnung Osteuropas im Rahmen seiner Rassenpolitik erzwingen. Am 15. Oktober 1941 begann die koordinierte Deportation der deutschen Juden in Ghettos, Lager und Vernichtungsstätten. Dort wurden bis 1945 sechs Millionen Menschen ermordet.
Clementina Meyer und ihre beiden Kinder Edgar und Dorothea wurden am 20.07.1942 ins Ghetto Minsk deportiert. Dort mussten viele Jüdinnen und Juden unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Bereits kurz nach der Ankunft wurde die Familie ins wenige Kilometer entfernte Maly Trostenec gebracht.
Das Vernichtungslager Maly Trostenec liegt südlich von Minsk. Es ist einer der größten Vernichtungsorte des Holocaust. Aus deutschen Städten wie Köln, Düsseldorf und Hamburg wurden Juden in die Hauptstadt der von der Wehrmacht besetzten Sowjetrepublik Weißrussland deportiert. Das elf Kilometer entfernte und gleichnamige Dorf verfügte über einen Bahnanschluss, der für die Deportationszüge notwendig war. Insgesamt wurden in dem kleinen Ort nahe der weißrussischen Hauptstadt Minsk bis zur Befreiung durch die Rote Armee im Spätsommer 1944 mehr als 60.000 Menschen ermordet.
Clemtina, Edgar und Dorothea Meyer starben am 24. Juli 1942 im Vernichtungslager Maly Trostenec.

