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Laurentiuskapelle

Fabio Cecere

In beherrschender Hanglage befindet sich die Laurentiuskapelle von Niederkastenholz. Sie verdankt ihre Entstehung der Reichsabtei Cornelimünster, der das Patronatsrecht zustand. Genaue Angaben über die Erbauungszeit besitzt man nicht, so dass die Datierung zwischen etwa 1100 bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts divergiert. Klar ist nur, dass sie, ebenfalls wie die Kapelle in Schweinheim, in ihrer Einordnung in das Gefüge der Dorfstraßen und in ihrer Lage inmitten eines alten Friedhofbezirks ein charakteristisches Beispiel einer Gestaltung von "Dorfkirchen", wie sie das Mittelalter baute, abgibt. Das Baumaterial der kleinen romanischen Pfeilerbasilika ist das für Eifel und Voreifel gebräuchliche Grauwackebruchgestein, das sicher von Anfang an für Verputz gemauert gewesen ist und in der Behandlung der Außenhaut einen freundlich-leuchtenden, weißen Glanz besaß. Teile des Baumaterials lieferte auch der Römerkanal, was in dieser Region kein Einzelfall ist - wurde er im Mittelalter ja häufig als Steinbruch betrachtet, den man hemmungslos ausbeutete.

Außen:
Verputzter, weiß getünchter drei-schiffiger Bruchsteinbau mit eingezogenem rechteckigem Chor. Über dem Westgiebel des abgewalmten Schleppdaches erhebt sich ein kleiner, an der ganzen Oberfläche geschieferter, Dachreiter mit Schallfenstern zu allen vier Seiten, der in eine achtseitige Pyramide endet. Dieses Türmchen mit Glockenstube stammt aus dem 18. Jh..
An der Südseite liegt eine im Innern flachgedeckte Vorhalle, die heute als Sakristei genutzt wird. Mehrfache bauliche Veränderungen, besonders im 17. jahrhundert sind noch wunderbar an den unterschiedlichen Jahreszahlen an den Fensterinschriften (1669 bzw. 1681) abzulesen.



Innen:

Im Innern ist das schmale Hauptschiff durch Scheidbögen von den Seitenschiffen getrennt, wobei das nördliche Seitenschiff etwas breiter ist (Rahmung). Die Pfeiler haben keine Sockel, finden ihren Abschluß jedoch in umlaufenden Gesimsen. Liegen die zwei Obergardenfenster im Süden frei, sind sie im Norden durch das Dach überfangen, infolgedessen durch sie aber auch kein Licht in den Kirchenraum dringen kann. Zum Chor treffen die Scheidbögen direkt auf den Triumphbogen. Der Chor ist mit einem spitz zulaufenden Tonnengewölbe versehen. Die Schalllöcher dienen einer besseren Akustik.

An der Westwand beherbergt die Kirche eine Besonderheit. Hier erhebt sich über die Breite des Mittelschiffs eine zweistöckige hölzerne Empore (Doppelempore). Es ist davon auszugehen, dass diese in Zusammenhang mit der Errichtung des Dachreiters im 18. Jahrhunderts eingebaut wurde. Im ersten Stock der Empore befindet sich ein Harmonium neuerer Zeit, im zweiten erfolgt über einen Kordelzug, noch über Handbetrieb, das Läuten der Glocke, die im Dachgeschoss aufgehängt ist.

Eine weitere kleine Glocke, die ehemalige Schulglocke, ist außen an der Südwand der Vorhalle angebracht.

In den 1950er Jahren fanden aufwendige Renovierungen statt. Hierbei wurden Reste gotischer Fresken freigelegt, die noch heute über dem Triumphbogen zu betrachten sind. Es handelt sich um weibliche Heiligenfiguren. Auch im Chor haben sich an der Nordseite um den gotischen Sakramentschrein ornamentale Malereien sowie Fragmente einer weiblichen Heiligenfigur erhalten.

Der Restaurator Gangolf Minn schuf zwischen den Deckenbalken der Flachdecke, eine neue ornamentale Malerei in blau und in der Sakristei in rostroten Tönen. Die Fensterverglasung stammt aus neuerer Zeit.


 

Ausstattung:

Die Altäre
Das Retabel des Hauptaltars wurde im 18. Jahrhundert installiert, die Mensa ist vermutlich früher zu datieren. In den drei übereinander liegenden Nischen stehen ein Christus am Kreuz und weitere Heligenfiguren. Ehemals zierte ein Antependium  mit dem Lamm Gottes die Mensa. Dieses befindet sich heute in Flamersheim.

Der Altar im nördlichen Seitenschiff ist wesentlich kleiner gestaltet als der Hauptaltar. Er verfügt nur über eine Nische. Darin befindet sich eine Figur der Heiligen Lucia. Sie ist gekennzeichnet durch ein Palmwedel in ihrer rechten Hand sowie durch einen Teller auf dem zwei Augäpfel liegen, in ihrer linken Hand. Ihr Hals ist von einem Schwert durchbohrt. Auch dieser Altar verfügte über ein Antependium, welches sich nun in Flamersheim befindet. Der rechte Altar verfügt über ein Altarbild, das, wie der Korpus, in barocker Zeit entstanden ist. Dargestellt ist das Martyrium des Heiligen Sebastian, wie er an einen Baum gefesselt von Pfeilen durchbohrt wird. Darüber in einer Nische, die Figur des Heiligen Cornelius. Bischofsstab und Bischofshut sowie das Horn in seiner linken Hand zeichnen ihn aus. Das Antependium befindet sich heute in der Sakristei.

Die Schwarze Madonna:
Sie gelangte als Schenkung 1816 in die Laurentiuskapelle. "Die Frau des "kurkölnischen Hauptmannes" Carl Wilhelm Müller, der die Burg in Niederkastenholz  1807 gekauft hatte, schenkte der Laurentiuskapelle im Jahre 1816 diese etwa 30 cm hohe Schwarze Madonna, die mit Medaillen und Perlen bedeckt ist. Auf der Rückseite der Figur befindet sich folgender Text:

"Kündend zu wissen fry allen menschen, die dieses Schreiben lesen, dass dieses Mariä Bild samt einem Vorhang eines Altares, worauf das Lamm Gottes vorgestellt ist, das hat die wittib Carlina Müllers wohnhaft in bonn diesem Gottes Hause im jahr 1816 gegeben. Und von mir Wilhelm Simonis Custor hiesiger Kappelle am 8ten Dezembris selbigen jahres zur zierde ausgesetzt worden. Und selbige fundatorin ist im Jahr 1819 im Herrn Entschlafen. Geschrieben Niedercastenholz den 19ten Dezembris 1819. Wilhelmus Simonis. Custor."

1884 wurde der große Altar von Maler und Anstreicher J. Freischem aus Stotzheim dekoriert. Drei Jahre später folgte die Dekoration der beiden Seitenaltäre. 


Opferstock:
Das Modell und das Wappen, die heute ihren Platz in der Sakristei haben, wo sie eingemauert sind, wurden im September 1911 durch den Lehrer Franz Bong beschrieben: "... ein Stein ... der ein bischöfliches Wappen zeigt. Er ist kreisrund und hat höchstwahrscheinlich früher als Gewölbeschlussstein gedient, um dann später bei einer Änderung dort in der Wand seinen Platz zu finden. In der Mitte ist ein Wappen eingehauen. Zwei Stäbe ziehen sich dadurch, wahrscheinlich Bischofsstäbe, wovon einer noch deutlich als Bischofsstab, Krummstab, zu erkennen ist. Das Ganze ist von Weinblattwerk und Trauben umgeben. Über dem Wappen … eingemauert eine Form aus festem Ton, darstellend eine Landgräfin; darunter steht zu lesen "Landgrefin", oben rechts ein "W" und links ein "S". Links und rechts von dem Wappenstein ebenfalls Formen und zwar links anscheinend ein Ritter (Bruststück), rechts ein Paukenschläger in Rittertracht ...

Von den Formen hat der Maurer Anton Schmitz von hier Gipsabdrücke gemacht, worauf dann Stein und Formen wieder an der selben Stelle eingemauert wurden." Dabei wurden die beiden zuletzt erwähnten Formen wohl in die heutige Anordnung gebracht."

Sakramentsschrein:
Im Chor an der Evangelienseite, in einer besonderen Vormauerung, ein spätgotischer Sakramentsschrein. Die Tür aus Gitterwerk hat eine Stabumrahmung. Den Abschluß bildet ein dreieckiger, mit einem Maßwerkpaß gefüllter Giebel, der von einem Kreuz gekrönt wird - zu beiden Seiten weitere kleine Kreuze. Eine zweite rechteckige schlichtere Nische, mit gleichfalls spätgotischem Durchsteckgitter befindet sich an der Nordseite des Chores.

Glocken:
Die beiden Glocken von 1699 und 1723 wurden 1889 durch den Glockengießer Christian Claren aus Sieglar umgegossen. Letztere wurde 1942 requiriert und konnte 1947 unbeschädigt von Hamburg zurückgeführt werden. 1967 ist der Dachreiter durch die Firma Peter Kessel aus Flamersheim erneuert worden. Der zweistöckige Glockenstuhl von 1970 ist für vier Glocken ausgerichtet.

Lit.:

 Beiträge zur Ortsgeschichte von Niederkastenholz, 1992