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Sankt Martinus

Fabio Cecere

Im Jahr 2004 fand die 1150 Jahrfeier des Ortes Dom-Esch statt. Bis in die 50er Jahre sprach man noch von Esch, einem Ortsnamen, der in Deutschland sehr häufig vorkommt und sich auf das indogermanische Wort `asc´ für Wasser oder Sumpf bezieht. Bereits 854 hieß das Gebiet Asche, ein Ort der wasserreich ist, bzw. an oder in einem Sumpf liegt. Die Keimzelle von Esch war die kleine Burg (heute überbaute Fundamente) mit einigen nicht erhaltenen Nebengebäuden, dem so genannten Domhof, sowie der zu diesem Bereich gehörenden Kirche, die dem hl. Martin geweiht ist. Grabungen haben ergeben, dass es sich um einen einfachen Saalbau gehandelt hat, der mit einem dreiseitigen Kleeblattchor, einem Triconchos, ausgestattet war. Dass diese Kirche, die nicht vor dem Jahr 1000 erbaut wurde, einen Vorgänger gehabt haben muß, ist wahrscheinlich, jedoch nicht mehr nachzuweisen. 1197 ging dieses befestigte Hofgut mit Grundbesitz per Schenkung an das neugegründete Zisterzienser Nonnenkloster Schillingskapellen, das wiederum 1273 diesen Besitz samt Pastronat an das Kölner Domkapitel verkaufte, dessen Wappen mit der Figur des hl. Petrus noch heute den Hochaltar ziert. Ihr heutiges Inneres wie Äußeres verdankt die, auf einem ummauerten Friedhof inmitten zwischen wunderschönen Fachwerkbauten liegende, Kirche dem gebürtigen Euskirchener Johann Fabricius (1677 - 1714), der beispielsweise die alte Flachdecke im Kirchenschiff entfernen und dafür, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, das gotisierende Gewölbe mit Mittelrippe nach dem Vorbild der Bad Münstereifeler Jesuitenkirche einbauen ließ. Aus der gleichen Zeit und aus der gleichen Werkstatt stammen auch die drei barocken Altäre


Außen:

Bei der Kirche, wie sie dem heutigen Betrachter erscheint, handelt es sich um einen einschiffigen verputzten Bruchsteinbau mit den Maßen 19 m x 6,30 m. Das Schiff gehört im Kern einem Bau des 11. Jahrhunderts an, für den durch Ausgrabungen 1960 ein kleeblattförmiger Ostabschluss nachgewiesen ist. Der Ansatz einer ehemaligen Südkonche ist im Innern noch erkennbar. Ferner ist durch Ausgrabungen ein südliches Seitenschiff nachgewiesen worden, dessen vermauerte Arkaden als Nischen innen sichtbar sind. Die Nordseite des Langhauses wird durch drei Strebepfeiler aus romanischer Zeit verstärkt. Im Süden des Kirchenschiffes sind zwei, im Norden drei Fenster und eine rechteckige Tür angebracht deren Oberschwelle die Jahreszahl 1773 trägt. Im Osten schließt sich der Chor an, der aus einem rechteckigen Joch mit jeweils zwei Spitzbogenfenstern im Süden und Norden, und einem polygonalen eingezogenen Chorschluss, der keine Fenster aufweist, besteht. An der Südseite ist die Sakristei mit Pultdach angefügt. Der ungegliederte, kräftige vorgesetzte Westturm, der vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde, verfügt über kleine, schmale und unregelmäßig verteilte Lichtscharten. Das Obergeschoss des Turmes ist verschiefert. Ehemals besaß die Glockenstube zwei, seit 1969, drei rechteckige Fenster auf jeder Seite.

Innen:

Drückt man die filigran gestaltete Klinke der schweren roten Tür auf, erfolgt der Zugang zum Kirchenraum durch das schlichte kleine Portal des Turmes, das ein Glasfenster im Tympanon trägt. Im Turm befindet sich auch die Orgelempore, die über den großen Bogen in das Langhaus hineinragt. Das Langhaus mit seinen drei Jochen ist von einem Pliestergewölbe mit hölzernen Kreuzrippen im gotischen Stil, mit einer durchgehenden Mittelrippe überspannt. Es entstand in der Zeit um 1700, als der bereits erwähnte Pfarrer Fabricius umfangreiche Renovierungsarbeiten durchführen ließ. An den Chorbogen schließen sich in östlicher Richtung das Chorjoch und die polygonale Apsis an. Der Chor ist ebenfalls von einem hölzernen Kreuzrippengewölbe überfangen, dessen geschnitzter Schlussstein mit dem Kopf Christi verziert ist.



Malereien:
Die Bemalung des Chorgewölbes mit Blumenmotiven war lange Jahre  so gut wie nicht mehr zu erkennen. Anfang der 90er Jahre dann, begann man mit aufwendigen Restaurierungsarbeiten. Dabei orientierte man sich an Form und Farben der einzigen Blume, die noch nicht bis zur Unkenntlichkeit verblasst war.
In der Südwand der Sakristei wurden 1961 Reste gotischer Wandmalereien freigelegt. Fragmentarisch hat sich die Figur des hl. Andreas erhalten.

Ausstattung:

Altäre:

Die drei Altäre sind um 1700 gefertigt worden und spiegeln die Formensprache des Barock wieder.
Links und rechts des Chorbogens im Langhaus befinden sich die beiden Seitenaltäre, die Maria als Königin mit dem Christuskind und Johannes geweiht sind. Oberhalb des Johannesaltars ist das Hufeisenwappen des Initiators Fabricius´ angebracht, während der Hochaltar durch das Wappen Kölns und der Darstellung Petri Bezug zur Zugehörigkeit zu Köln nimmt. Der dem Heiligen Martin geweihte Hochaltar verfügt über eine Mensa aus dem 12. Jh. und wird von weiteren Heiligenfiguren, wie z.B. Jakobus d. Ältere und Andreas gerahmt.

Skulpturen:

Einige sehr schöne skulpturale Werke sind in St. Martinus zu betrachten. So z. B. eine Pieta von 1905, eine Barockskulptur St. Joseph mit dem Christusknaben von 1760 oder aber die beiden Marienstatuen als Königin und als St. Maria mit dem Strahlenkranze.



Orgel:
Bei der Orgel handelt es sich wie in Kuchenheim um eine Schorn Orgel von 1870. Der Kuchenheimer Orgelbauer Franz-Joseph Schorn (1834-1905) war bekannt für die qualitätsvolle Bauweise seiner Instrumente - sind sie doch heute noch ein hervorragendes Beispiel für musikhistorische Handwerkskunst im 19. Jahrhundert.

Glocken:
Das Geläut umfasst vier Glocken aus den Jahren 1414, 1429, und 1991.
Zwei Glocken wurden 1942 requiriert, kamen aber 1947 unversehrt aus Hamburg zurück. 1991 Erweiterung um die Petrus - Glocke aus der Glockengießerei Mabilon in Saarburg bei. Sie trägt die Inschrift: "Herr, Du weißt, dass ich Dich liebe".

Fenster:
1993 schuf der Leverkusener Künstler Paul Wiegmann das moderne Fenster im Süden des Chorjochs. Es zeigt St. Martin mit dem Bettler und enthält mehrere Verweise auf den Namenspatron und auf die enge Verbindung zwischen Esch und dem Domkapitel.