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Sankt Cyriakus

Fabio Cecere

Billig ist wohl eine der jüngsten und kleinsten Pfarreien im Dekanat Euskirchen, aber neben Zülpich eine der ältesten Siedlungen der Gegend.

1237 findet eine Kapelle in Billig Erwähnung. Jedoch legen die Funde, die beim Abbruch des Vorgängerbaus zu Tage traten die Vermutung nahe, dass eine solche schon weitaus früher in Billig gestanden haben muss, da beim Abbruch der für die Gemeinde zu kleinen und baufälligen Kapelle, die Mitte des 18. Jahrhunderts erneuert worden war, im Frühjahr 1898 ein frühromanisches Würfelkapitell aus Kalkstein gefunden wurde.

Ein Matronenstein diente als Treppenstufe. In einer Urkunde von 1380 wird berichtet, dass zu Lebzeiten des Ritters Heinrich samstags in der Kapelle eine Messe zu lesen sei. Weiter findet man dort eine Beschwerde des Gemeindevorstehers von Billig an das Stiftskapitel zu Münstereifel - zu dem Billig gehörte - wegen des schlechten Zustandes der Kapelle und der dringenden Instandsetzung. Man liest weiter, dass diese um 1768 durchgeführt worden ist.

1875 wird Billig eine selbständige Kapellengemeinde, da die Kapelle für die Gemeinde jedoch viel zu klein und zugleich auch noch baufällig war, beantragte man den Neubau einer Kirche.

1895 wurde der Grundstein zu einem Neubau nach Plänen von Theodor Kremer aus Köln gelegt, nur zwei Jahre später konnte die Konsekration des Altares vorgenommen werden.

Die Ausführung wurde dem Bauunternehmen Hergersberg aus Stotzheim übertragen.


Außen:

An den neugotischen vierjochigen Langbau schließt sich der zwei Stufen höher gelegene eingezogene eckige Chor mit seinen fünf Fenstern, sowie zwei Blendfenstern im Chorjoch, an.

Die Ziegelsteine zum Kirchenbau waren am Westeingang des Ortes auf der sogenannten "Komm" hergestellt worden.

Sowohl am Schiff als auch an Chor wird die Außenwand durch den Wechsel von zweifach abgetreppten Strebepfeilern und Spitzbogenfenstern strukturiert.

Viergeschossiger Westturm mit spitzbogigen Schalllöchern in der Glockenstube und geschiefertem Rautendach. Zusätzlich wird der Turm durch über Eck gesetzte, abgetreppte Strebepfeiler strukturiert

Das im Turm befindliche Portal besitzt einen Spitzbogen, darüber ein Rundfenster im Stil der Frühgotik mit angedeutetem Maßwerk als stehenden Sechspass.

Auch die übrigen Spitzbogenfenster im Langhaus sind ohne Maßwerk gearbeitet.

Ein Erdbeben am 14. März 1951 beschädigte die Kirche, so dass Ausbesserungsarbeiten, besonders im Bereich der Deckengewölbe notwendig waren.

In den Jahren 1978 und 1997 kam es zu weiteren Renovierungen und Sanierungen, wobei das ganze Außenmauerwerk neu verfugt und imprägniert wurde.


Innen:

Der Kirchenraum besitzt ein vierteiliges Kreuzrippengewölbe, das sich auf Wandpfeiler stützt an denen Pfeilerplastiken arrangiert sind. Ein spitzbogiger Triumphbogen an dessen Fassade sich rechts und links die beiden Nebenaltäre befinden, gibt den Blick frei auf den Chor- und Altarraum, der etwas erhöht liegt und den neugotischen Hochaltar , sowie den neuen Celebrationsaltar beherbergt. Im Zuge der Renovierungen erhielten die Gewölbe eine neue Isolierung. Wegen der Installation einer Fußbodenheizung wurde der alte Boden entfernt - im Anschluss wurde aus Hohenfelser Basaltlava von der Firma Drach aus Zülpich ein neuer Fußboden verlegt. Nördlich und südlich des Turms zurückgesetzt in den Ecken an der Westfassade des Langhauses gelegen, befinden sich die Taufkapelle sowie der mit zwei übereinander liegenden Spitzbogenfenstern versehene Treppenturm durch den der Zugang zur Empore erfolgt.

Ausstattung:

Zu der Ausstattung (wenn auch zum Teil umgearbeitet) aus der Erbauungszeit gehören die drei Altäre, die Pfeilerfiguren, der Taufstein, der Beichtstuhl und die Kirchenbänke  sowie der, in die Sakristei eingepasste Schrank, der mit der Jahreszahl 1898 versehen ist.

Die Pfeilerfiguren an der nördlichen Wand stellen eine Herz Jesu Figur dar mit der Beschriftung auf der Konsole: "Hl. Herz Jesu erbarme Dich unser” Ihm zur Seite St. Josephus mit der Inschrift "ora pro nobis”. Gegenüber auf der Südseite des Schiffs findet man den hl. Cyriakus, einer der 14 Nothelfer und Namenspatron der Kirche mit der Inschrift "ora pro nobis" und seitlich eine Hl. Herz Marienfigur der die Zeile "Hl. Herz Maria bitte für uns!” beigegeben ist.

Im Innenraum der Pfarrkirche oblagen die Schreinerarbeiten, zu denen die Umgestaltung des Celebrationsaltars und die Restaurierung der Orgelbühnenbrüstung gehörten, der Firma Lanzerath. Aus der St. Nikolaus Kirche in Köln Sülz hatte Pater Rembert Röös einige Eisengittertürchen erstanden, die am Aufgang zur Orgelbühne und zwischen den beiden großen Pfeilern am äußeren Aufgang zur Kirche einen neuen Platz fanden. 


weiteres Fenster

Altäre:
Die drei Altäre in den Seitenschiffen, sowie im Chor wurden vom Bildhauer Haag aus Euskirchen geschaffen und stammen aus der Erbauungszeit der Kirche. Alle drei Altäre wurden wie der Kirchenbau im neugotischen Stil entworfen und entsprechen einander in ihrem Aufbau:
Unterbau aus Stein mit seitlichen Säulen. Altartisch und Altaraufsatz sind besonders aufwendig gestaltet. Figuren und zentrale Bilder bekrönen jeweils die Dekoration der mit gotisierenden Schnitzereien gerahmten Altaraufsätze.

Hochaltar:
Links findet man die Darstellung der Geburt Christi, rechts seine Auferstehung. In der Mitte ist ein Kruzifix eingestellt.

Seitenaltäre:
Der Josephsaltar zeigt links und rechts zwei kleine Engelsfiguren, im Zentrum die Darstellung befindet sich die Figur Josephs mit dem Jesuskind auf dem Arm.

Während der Hochaltar und der südliche Seitenaltar noch mit den ursprünglichen Figuren versehen sind, wurde der Maria Hilf Altar mit einer Ikone und neuen Figuren bestückt.

Kreuzweg:
Im Zuge der Renovierung von 1978 erhielt Sankt Cyriakus einen künstlerisch sehr wertvollen neugotischen Kreuzweg, der über ein Auktionshaus in Rolandseck erstanden wurde.

Ausmalung:
Die Ausmalung der Kirche im Sommer 1929 erfolgte durch den Euskirchener Kirchenmaler Peter Müller.
Nach dem Erdbeben vom 14. März 1951 wurde die Bemalung entfernt.
"Bestand die Wirkung der alten Ausmalung in dem kräftigen Ton der Farben, so liegt der Effekt nun in der kunstvoll abgestimmten Tönung. Die alte dekorative Linienführung wurde bewußt verlassen, an ihre Stelle tritt eine schlichte Linienführung, die mit den architektonischen Formen des Innern aufs schönste harmoniert." Die Malereien von 1952 wurden im Jahr 2001 entfernt und der Innenraum im Zuge einer Renovierung durch den Architekten Pütz aus Billig neu gefasst. Im gleichen Jahr wurde auch der Kirchturm renoviert.


Das Geläut:
Das Geläut wurde aus dem Vorgängerbau übernommen. Die kleinere Glocke war der heiligen Margareta geweiht und war vermutlich 1871 auf dem Kirchhof von Billig gegossen worden (Aufzeichnungen nicht mehr vorhanden). Die größere Glocke aus dem Jahr 1745 war dem heiligen Cyriakus gewidmet. Sie verblieb im Kirchturm nachdem im Ersten Weltkrieg die Margaretenglocke entfernt wurde. Im Januar 1925 erhielt die Kirche drei neue Glocken, die bei der Firma Hansen-Mabilon & Cie in Saarburg in Auftrag gegeben worden waren. Geweiht auf St. Maria, St. Michael und St. Cyriakus, trugen allesamt ihren Heiligennamen und die Worte: "ora pro nobis". Die alte Glocke von 1745 wurde dem Glockenmuseum der Firma überlassen, dass im Zweiten Weltkrieg jedoch zerstört wurde. Nachdem im Zweiten Weltkrieg zwei Glocken abgegeben werden mußten, wurde wiederum bei der Firma Mabilon aus Saarburg ein neues Geläut in Auftrag gegeben. Zunächst konnte im August 1954 eine neue Glocke St. Maria geweiht werden. Ein Jahr später konnte eine dritte Glocke erworben werden, die St. Michael geweiht wurde. Somit konnte das Te-Deum Motiv aus dem Ambrosianischen Gesang wieder vollständig erklingen.

Die Kirchenfenster:
Im Zweiten Weltkrieg wurden einige aus der Erbauungszeit der Kirche stammenden Kirchenfenster zerstört. Sie wurden noch vor 1949 durch einfache bunte wie auch unbemalte Scheiben ersetzt. In Folge des Erdbebens von 1951 wurden weitere Scheiben zerstört, die durch bunte und unbemalte Scheiben ersetzt wurden. Unter den bruchstückartig erhaltenen alten Fenstern befindet sich glücklicherweise noch das, welches den Schutzpatron der Pfarre, den hl. Cyriakus, darstellt. Es befindet sich nun als Seitenfenster im Hauptschiff, während das andere erhaltene alte Fenster, auf welchem die Kreuzigungsgruppe abgebildet ist, unmittelbar über dem Altar steht. Symmetrisch zur Sakristei im Anbau im Norden sei noch auf zwei längsrechteckige Fenster hingewiesen, die, in gelb, rot und weiß gehalten, die Darstellung der Sonne und des Mondes zeigen. Kurz vor dem Millennium wurden im Chor neue Kirchenfenster eingesetzt, die das alte aus der Erbauungszeit erhaltene Fenster auf dem die Kreuzigungsgruppe zu sehen ist, flankieren. Die Entwürfe für die Fenster stammen von Anja Quaschinski. Die Glasarbeiten wurden von der Bonner Glaswerkstatt Linden ausgeführt.

Die Orgel:
Da die Kirche zunächst über keine Orgel verfügte, behalf man sich mit einem Harmonium. Erst 1968 wurde eine elektrische Orgel der Marke "Farsiva” installiert, der 1978 eine Orgel der Aachener Firma Bach folgte, die in der Kirchenmusikschule St. Gregoriushaus in Aachen gestanden hatte und nach einer Renovierung und einem an den Kirchenraum angepassten Umbau durch die Orgelbauwerkstätte Josef Weimbs in Hellenthal 1978 in der renovierten Pfarrkirche ihren Dienst aufnehmen konnte.