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Ein Rückblick auf die ersten bewegenden Jahre

Nach den beiden mörderischen Weltkriegen, die halb Europa mit erheblichem Blutzoll in Schutt und Asche gelegt haben, wurde sich die Bevölkerung Europas, insbesondere die französische und die deutsche, des Irrsinns dieser stets "ewigen Feindschaft” bewusst, die immer auf den Köpfen der Bevölkerung ausgetragen worden ist und nur materielle Vernichtung, schweres Leid und Tod über die Menschen hüben und drüben gebracht hat.

In Europa bemühten sich daher in Übereinstimmung mit ihren Völkern seit 1945 viele Politiker um eine europäische Integration, die einen künftigen Krieg unter den Europäern endlich unmöglich machen sollte. Namen wie Spaak, deGasperie, aber vor allem Robert Schumann und Konrad Adenauer waren Vertreter dieser Politik. Ihre Bemühungen mündeten bekanntlich zunächst in die EWG. Wenn diese EWG-Vereinbarungen über eine Zoll- und Wirtschaftsunion hinausgehen sollten, so war eine Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland unerlässlich. Hierzu hatte der Saarvertrag mit Frankreich 1956 an sich die Voraussetzungen geliefert. Die Saar, wirtschaftlich noch an Frankreich gebunden, wurde wieder ein deutsches Bundesland.

Wenn man die Anfangssituation richtig beurteilen will, muss man sich in das Jahr 1961 zurückversetzen. In Euskirchen gab es noch zahlreiche Trümmergrundstücke. Der Wiederaufbau unserer zerstörten Stadt war noch längst nicht abgeschlossen. Es gab erst ein mittelkleines Hotel, das über Zimmer mit Dusche verfügte.

Auch die internationale Lage war schwierig. Das Kuba-Unternehmen in der Schweinebucht war gescheitert, die DDR baute die Berliner Mauer, der sogenannte Kalte Krieg erreichte seinen Höhepunkt.

Den Menschen ging angesichts dieser internationalen Situation die eingeschlagene Entwicklung zur europäischen Integration inzwischen aber viel zu langsam. Die Folge war, dass sich die Städte zunehmend zu Partnerschaften zusammen schlossen, um den Kontakt von Mensch zu Mensch zu pflegen, die alten Feindschaften zu begraben und so auch den Politikern die notwendige Unterstützung aus dem Volk zu geben; denn alle diese Partnerschaften hatten die europäische Integration auf ihre Fahnen geschrieben. 1985 bestanden an die 3000 Partnerschaften, davon allein 100 im Eifel-Ardennen-Raum. Nicht nur in Euskirchen wurde die Städtepartnerschaft von den Bürgern getragen.

Die Partnerschaft zwischen Charleville und Euskirchen kam interessanterweise zwei Jahre vor Abschluss des Deutsch-Französischen Vertrages zustande. Die Impulse für ein Europa kamen also aus dem Volk.

2006 besteht die Partnerschaft mit Charleville bereits 45 Jahre. Es lohnt sich daher, vielleicht einmal zurückzuschauen, wobei sich dieser Bericht im Wesentlichen auf die Anfänge der Schwesterschaft beschränken will.

Die sogenannte Verschwisterung zwischen Euskirchen und Charleville ist auf eine Initiative von Charleville zurückzuführen; sie wurde vermittelt von der europäischen Vereinigung für Eifel und Ardennen. Auf einer Tagung dieser Vereinigung in Aachen hatten sich die Repräsentanten erstmals getroffen und die ersten Bruderküsse ausgetauscht. Die Bürger Euskirchens waren bewegt und begeistert von der Idee der Partnerschaft. Die Räte der beiden Städte stimmten der vorgesehenen Verschwisterung im April bzw. Mai 1961 zu. Kein anderer Beschluss im Euskirchener Rat hat je eine so emotionale Zustimmung in der Bevölkerung gefunden.

Die Kostenfrage, ansonsten stets eine ernstzunehmende Hürde, trat völlig in den Hintergrund, nachdem ein Stadtverordneter argumentierte, eine Schwesternschaft sei in jedem Falle billiger als sich mit Kanonen und Panzern zu beschießen.


Der Rat der Stadt Charleville wurde für September 1961, anlässlich der Landesgartenschau, zum offiziellen Partnerschaftsakt nach Euskirchen eingeladen. Dieser offizielle Verschwisterungsakt fand im großen Sitzungssaal des alten Rathauses statt. Nur einige kurze Passagen aus den Ansprachen der jeweiligen Bürgermeister zeigen die positive Stimmung.

Bürgermeister Lebon, der die Schwesternschaft von Charleviller Seite mit begründet und energisch weiterentwickelt hatte, verwies auf eine Erklärung des französischen Botschafters in Deutschland, Francois Poncet. Dieser hatte 1960 gesagt: "Die Einheit unserer Völker ist unerlässliche Voraussetzung für die Schaffung der europäischen Gemeinschaft und schließlich für das Überleben der Dritten Welt." Lebon führte fort: "Euskirchener Freunde, dies ist auch unsere Botschaft, nehmen Sie sie an in brüderlicher Umarmung. Nach den Lektionen der Vergangenheit wollen wir gemeinsam am großen Werk der Brüderlichkeit arbeiten und auf die künftige Harmonie der Herzen hoffen."

Bürgermeister Kleinertz antwortete: "Ich träume von einem Zustand, der die völlige Koordinierung der Politik der westeuropäischen Länder bringt." Die Euskirchener Presse überschrieb ihren Bericht: "Harmonie der Herzen im Rathaus festlich besiegelt". Eine andere Zeitung meldete: "Die Saat Europas ruht im Boden von Eifel und Ardennen".

Für die Gäste aus Charleville war neben dem Besuch der Landesgartenschau in Euskirchen ein Besichtigungsprogramm zusammengestellt worden, zu dem ein Besuch der Steinbachtalsperre, eine Rundfahrt in die Umgebung und ein Besuch von Bad Münstereifel gehörte.

Bevor der Gegenbesuch unseres Rates in Charleville stattfand, sollte den Bürgern der Schwesterstadt im Rahmen einer Ausstellung Euskirchen vorgestellt werden. Ausstellungsmaterial über Geschichte, Kultur und Kunst unserer Stadt musste über die belgische und französische Grenze transportiert werden. Trotz guter Papiere stieß dieses Unterfangen auf ungeahnte Schwierigkeiten und trübte den Optimismus der Organisatoren

hinsichtlich einer freien Marktwirtschaft schwer. Wegen der mitgeführten Bilder und Kunstwerke ließ man uns nicht passieren. Sollten wir unverrichteter Dinge wieder umkehren? War die ganze Arbeit der Zusammenstellung einer Ausstellung umsonst gewesen? Es wurde beschlossen, nicht aufzugeben. An mehreren Grenzübergängen zwischen Aachen und dem Saargebiet versuchten wir, über die Grenze zu kommen. Endlich im Saargebiet ließ ein freundlicher Zöllner unsere Ausstellung passieren.

Die gute Resonanz, die schließlich unsere Ausstellung in Charleville gefunden hatte, sorgte dafür, dass sie einige Zeit später auch in Euskirchen im Sitzungssaal des Alten Rathauses gezeigt wurde.

Dem offiziellen Verschwisterungsakt in Euskirchen folgte kurz danach im Dezember die offizielle Jumelage in Charleville.

Auf der Fahrt dorthin gab es einen kleinen Zwischenfall. Die Euskirchener Delegation, Mitglieder des Rates und einige Verwaltungskräfte in Begleitung ihrer Frauen, waren um 5.00 Uhr in der Frühe von Euskirchen gestartet. Auf Wunsch von Bürgermeister Kleinertz hatten sich alle in festliches Schwarz gekleidet. Kleine Geschenke für die Gastgeber und ein großer Kranz für den Ehrenfriedhof waren im Bus verstaut. An der belgischen Grenze wurde der Bus, wie damals noch üblich, angehalten und kontrolliert. Zur allgemeinen Überraschung zog sich die Kontrolle verdächtig lange hin. Sie wurde schließlich sogar recht intensiv. Alle mussten den Bus verlassen. Die belgischen Zollbeamten durchsuchten den gesamten Bus. Der Fahrer musste sämtlich Behältnisse und Klappen öffnen. Der Bürgermeister schaute schon besorgt auf die Uhr, denn man wurde in Charleville für 10.00 Uhr erwartet. Endlich, nach 45 Minuten Zwangsaufenthalt durften die Herrschaften wieder in den Bus einsteigen und weiterfahren. Unser Dolmetscher versuchte vor der Abfahrt noch herauszufinden, warum man so intensiv kontrolliert hatte. Des Rätsels Lösung ist recht kurios. Die Zollbeamten hatten aufgrund der schwarzen, festlichen Kleidung und der Mitnahme des Kranzes vermutet, dass die Abordnung verbotenerweise eine Leiche versteckt hätte, um sie in Belgien zu beerdigen.

Die Euskirchener Delegation wurde in Charleville überaus freundlich und herzlich empfangen. Um die Gestaltung der beiden vorgesehenen Besuchstage hatte man sich sehr viel Mühe gemacht. Die Euskirchener Besucher wurden pausenlos von einem interessanten Programm verwöhnt. Wer das einmal miterleben durfte, der findet das nicht nur schön, sondern auch sehr anstrengend.

Neben dem offiziellen Festakt sind es insbesondere zwei Programmpunkte wert, in Erinnerung gerufen zu werden. Da war zum einen der Gala-Abend. Im völlig umgebauten und modernisierten Stadttheater traten der Chor und das Orchester des Charieviller Harmonique, zwei Tanzschulen und Balletttänzer der Pariser Oper auf. Während des anschließenden, sich bis Mittemacht hinziehenden Sektempfanges in der Theaterhalle, wurden erste Kontakte zu

den Leitern der französischen Schulen geknüpft.

Zum anderen war das Festessen am zweiten Besuchstag ein weiteres erinnerungswertes Ereignis. Es fand statt unter dem Vorsitz des Präfekten und mehrere Ehrengäste waren anwesend. Hier wurde die ganze Reichhaltigkeit und hervorragende Qualität der französischen Küche zelebriert. So etwas hatte bis dahin wohl kaum einer der Euskirchener Delegation je genossen. Ein französisches Festessen muss man erleben, beschreiben lässt es sich nur unzureichend. Bürgermeister Lebon begrüßte in einer Tischrede die Euskirchener in der Grenzstadt Charleville, die in den letzten 70 Jahren drei deutsche Besatzungen durchgestanden hatte und dessen ungeachtet sich in das Werden Europas eingliedern wollte. Bürgermeister Kleinertz stellte fest, dass man sich in Charleville wie bei Freunden geborgen fühle. Er sprach die Hoffnung aus, dass die Verschwisterung hier und in den übrigen Gemeinden zu einem starken Fundament eines gemeinsamen Europas werden möge.

Die Euskirchener Zeitungen berichteten: "Zwei Tage französische Gastfreundschaft erlebt" und "Für Euskirchen und Europa viel getan".

Nach dem Auftakt der Schwesternschaft durch die Begegnung und das Kennenlernen beider Räte, mussten nun Überlegungen und Vereinbarungen über die Weitergestaltung dieser Partnerschaft getroffen werden. Beteiligt werden sollte die Bevölkerung, allen voran die Vereine und insbesondere die Schüler. Im Vordergrund der Partnerschaft stand nach voraufgegangener Briefpartnerschaft der Schüleraustausch. Die Jugend ist in erster Linie dazu berufen, die Schranken der Vergangenheit, die Sprachbarrieren und die Verschiedenheit der Kultur und des Denkens zu überwinden.

Die Resonanz der Partnerschaft war in der Euskirchener Bevölkerung so positiv und groß, dass schon einige städtische Organisationen unmittelbare Kontakte mit gleichartigen Organisationen in Charleville vereinbarten und durchführten. Um diese zunächst relativ ungeordneten beiderseitigen Begegnungen in den Griff zu bekommen, beschloss der inzwischen gebildete Verschwisterungsausschuss folgende Regelungen:

  1. Die Besucher aus Charleville müssen in Euskirchen von den einladenden Vereinen und Organisationen untergebracht und beköstigt werden, vornehmlich in Familien. Die Stadt zahlt hierzu ggf. Zuschüsse auf Antrag.
  2. Für diejenigen Gruppen, die nach Charleville eingeladen werden, zahlt die Stadt Euskirchen auf Antrag ggf. einen Zuschuss bis zur Höhe der Buskosten. Die Übernachtung und Verpflegung übernimmt der gastgebende Verein in Charleville.
  3. Für die offiziellen Begleiter dieser Gruppen (Bürgermeister, Lehrer u.s.w.) trägt die gastgebende Stadt die Kosten.
  4. Der Schüleraustausch soll allerdings unmittelbar zwischen den Schulen beider Städte vereinbart und organisiert werden. Er wird von den Städten finanziert. Anfangs hat sich das deutsch-französische Jugendwerk hieran beteiligt. Die Schüler sollen jeweils in Gastfamilien untergebracht werden und am Unterricht der Gastschule teilnehmen. Die beiden Städte übernehmen insbesondere für die bei ihnen untergebrachten Gastschüler jeweils die Kosten einer Exkursion im Gastland und sorgen für einen offiziellen Empfang durch den Bürgermeister.

Obwohl der Schüleraustausch das Hauptanliegen der Partnerstädte war, kam er etwas später in Gang. Das lag daran, dass die Charleviller Schulen noch andere partnerschaftliche Verpflichtungen hatten. Erst nach einer erneuten Begegnung und Aussprache aller am Schüleraustausch beteiligten Schulleiter und Lehrer beider Städte in Charleville konnte der Schüleraustausch ab 1963 geordnet beginnen. Seither floriert der Austausch mit kleinen Schwankungen. Bisher haben wohl mehrere tausend Schüler und Schülerinnen aus beiden Städten hieran teilgenommen.

Neben dem Emil-Fischer-Gymnasium, der Marienschule und den beiden Realschulen waren ab 1980 auch Euskirchener Hauptschulen am Austausch beteiligt. Von Charleviller Seite beteiligten sich Lycée Chanzy, Lycée Sévigné, Collège Leo Grange und Collège Roger Salengro.

An der Ausgestaltung der Schulpartnerschaften und den alljährlichen Begegnungen haben die damaligen Schulleiter und Französischlehrer einen erheblichen Anteil. Sie haben hierfür beachtliche persönliche und auch finanzielle Opfer gebracht. Damen und Herren der ersten Stunde waren die Direktoren Dr. Röttger, Schlesinger und Schaeben, die Schulleiter Engels, Doemens, Gehrke und Dr. Wattler, die Französischlehrerinnen Geller, Schmilz-Jansen und Misgeld, die Lehrer Schäfer, Houben und Lehmann.


An der Jumelage beteiligten sich in den ersten Jahren fast alle Organisationen und Vereine von hüben und drüben mit großer Begeisterung. Als Beispiele sind die Junge Union, die katholische Jugend, die Sozialisten, Sportler wie Judokämpfer, Schützen, Motorsportler, Radsportler, Leichtathleten, Fußballer, Betriebssportler, Schachspieler u.v.a. zu nennen. Sehr aktiv war auch auf deutscher Seite anfangs die Jugendkulturgruppe, die es inzwischen leider nicht mehr gibt.

Aus Charleville kamen wiederholt Ballettgruppen, Puppenspieler, verschiedene Musik- und Gesangsgruppen. Sternstunden der Jumelage bildeten jeweils die Aufführungen des philharmonischen Orchesters und der Jugendmusikschule. An der Partnerschaft beteiligten sich ferner mit Begegnungen und Veranstaltungen wiederholt die Karnevalisten. 1966 weilte z.B. unser damaliger Prinz Karneval Karl-Heinz Stausberg mit seinem Gefolge in Charleville. Diese Begegnungen verliefen so gesellig, dass Bürgermeister Lebon einmal bekannte: "Ich war von Fröhlichkeit und Müdigkeit erfüllt."

Ferner gastierten in Charleville der kleine Meisterchor, der Sängerkreis, die Schulchöre und Ballettgruppen, die Flugsportfreunde, die Volkshochschule, die Feuerwehren, die Briefmarkenfreunde, die Aquarianer und die Senioren. Kunstausstellungen mit der Beteiligung von Künstlern beider Städte fanden mehrfach in Euskirchen und Charleville statt.

Nach der kommunalen Neuordnung im Euskirchener Raum beteiligten sich auch Vereine und Gruppen aus den Euskirchener Ortschaften an der Jumelage. Das Organisationstalent der jeweils verantwortlichen Gruppenführer wurde hier in hohem Maße gefordert.

Wie im Leben, so kühlt auch das heißeste Verhältnis mit der Zeit ab. Warum sollte es mit der Jumelage anders sein? Die Repräsentanten beider Städte waren daher immer bemüht, dieser Ermüdungs- und Gewohnheitstendenz entgegen zu arbeiten. Dies geschah durch besondere offizielle Einladungen zu örtlichen Festlichkeiten. Beispiele für solche Anlässe von Euskirchener Seite waren 1962 die "Eifeler Kampfspiele" (die inzwischen nicht mehr stattfinden), 1963 die "Französischen Wochen", 1963 der Karneval, 1968 die Einweihung des Emil-Fischer-Gymnasiums, 1974 die Eröffnung der Fußgängerzone, 1977 die 675-Jahrfeier, 1981 das Stadtfest und die "Rheinische Woche".


Die Stadt Euskirchen beteiligte sich an mehreren Festlichkeiten in Charleville. 1963 wurde die Stadt erstmals, und danach von Fall zu Fall durch einen Werbestand an den großen Industrieausstellungen vertreten. Bei diesen Gelegenheiten trafen sich auch fast immer die Ratsvorsitzenden beider Städte. Bürgermeister Lebon, der eine Energie ausstrahlte wie die Sonne im Charleviller Wappen, hat mit seinem klugen Beigeordneten Daniel Oudet die Jumelage als seine "Chefsache" immer weiter entwickelt. Beiden war es anfangs aus Rücksicht auf einige Mitbürger noch schwer gefallen, die deutsche Fahne auf ihrem Rathaus zu hissen.

Inzwischen hatte es auch in Frankreich eine kommunale Neuordnung gegeben. Das führte zum Zusammenschluss der beiden Nachbarstädte Charleville und Mezieres. Das hatte eine neue Sitzverteilung im Rat zur Folge. Bürgermeister Lebon wurde schließlich von Bürgermeister Delautre und seinem Beigeordneten Mailfailt abgelöst, zwei liebenswerte Persönlichkeiten, die sich der Jumelage mit gleichem Elan wie ihre Vorgänger angenommen haben.

Auf Bürgermeister Kleinertz, der seine Aufgabe mit Charme und sympathischer Ausstrahlung wahrgenommen hatte, folgte in Euskirchen Bürgermeister Schlösser, der zu Delautre ein echtes Freundschaftsverhältnis gewann. Beide duzten sich. Sie verstanden die Sprache des Partners nur wenig. Für die Zeugen dieser Treffen war es immer ein Erlebnis, wie sich die beiden mit Worten und Gesten in einer fröhlichen Grundstimmung immer recht gut verständigen konnten.

Leider sind beide viel zu früh gestorben. Bürgermeister Schlösser kam bei einem Flugzeugabsturz auf der Dahlemer Binz ums Leben.

Die Vision eines "Vereinigten Europa" von Bürgermeister Kleinertz im Gründungsjahr der Jumelage ist inzwischen weitgehend Wirklichkeit geworden. Damals hat das kaum jemand ernstlich hoffen können. Die Menschen in den Städtepartnerschaften haben dazu die Impulse gegeben. Denn wie internationale Befragungen beweisen, waren die Menschen mit dem Wunsch auf ein vereinigtes Europa den Politikern immer einen Schritt voraus.

Die Europäische Union (EU) umfasst inzwischen mit ihren 15 Ländern ein Gebiet, in dem sich die Bürger frei bewegen und Handel treiben können. Mit der Einführung einer gemeinsamen Währung (Euro) ist in zunächst 12 Mitgliedsländern ein weiterer Schritt auf Europa getan. Die Erweiterung der EU auf weitere 12 Staaten ab 2004 aus Mittel- und Osteuropa, einschließlich Malta und Zypern, steht bevor. Eine europäische Verfassung wird die bisherige Entwicklung krönen.

Wir müssen heute feststellen, die Schaffung eines vereinigten Europas war und ist ein einmaliger Schöpfungsakt von überragender geschichtlicher Bedeutung und Tragweite, der den hier lebenden Menschen Frieden, Freiheit und Wohlstand auf demokratischer Basis sichert.

Wir sind aufgerufen, hieran weiter zu arbeiten.

 

Artikel von Norbert Falkenberg; mit freundlicher Genehmigung abgebildet.