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Kleinbüllesheim

Als Knotenpunkt verschiedener Straßen ist Kleinbüllesheim vor allem den Autofahrern ein Begriff. Treffen sich doch am Ostrand des Dorfes die Wege von Straßfeld und Weidesheim, von Dom-Esch und Großbüllesheim zu einem nicht ungefährlichen Straßenstern. Aber Kleinbüllesheim will nicht nur eine Verkehrsspinne sein, es hat vielmehr noch mancherlei zu bieten. Sehen wir uns also in diesem Stadtteil und seiner Geschichte um.

Den Zeitpunkt zur 1100-Jahr-Feier hat man verpasst. In der Verleihungsurkunde König Lothars II. an seinen Vasallen Otbert vom Jahre 856 ist bereits von einer Villa namens "Bullengesheim" mit einer Kapelle die Rede. Später besaßen die lothringischen Pfalzgrafen auf dem Tomberg die Herrschaft über Kleinbüllesheim, die 1052 an das Kölner Domkapitel fiel. 1807 wurde die Pfarre aufgehoben, und Großbüllesheim zugewiesen, 1849 aber neu errichtet. Seit 1907 besitzt Kleinbüllesheim zwei Kirchen; in diesem Jahr entstand durch die Bemühungen von Pfarrer Breuer ein neugotischer Kirchenbau, die bis dahin benutzte Kirche veräußerte man an den Besitzer der Burg. Diese alte Kirche gehörte in ihren wesentlichen Bauelementen der romanischen Zeit an; aus dem 16. Jahrhundert stammen die Seitenschiffe und die Sakristei. Das Holzgewölbe, die barocke Ausstattung und die Orgelbühne verschwanden nach 1945, der Bau verfiel. Dem Bemühen von Pfarre und Denkmalpflege gelang es in den folgenden Jahren, den vollständigen Verfall aufzuhalten und die Mauern zu sichern. Das Dach wurde erneuert, der Turm erhielt anstelle des beschädigten spitzen Helmes ein stilgerechtes pyramidenförmiges Dach. 

Im Liber valoris heißt das jetzige Kleinbüllesheim "aliud Bullisheym" = das andere Büllesheim im Gegensatz zu "inferior Bullisheym" = Niederbüllesheim, dem heutigen Großbüllesheim. Bis zum 19. Jahrhundert erhält sich die Bezeichnung Oberbüllesheim für das heutige Kleinbüllesheim; man hatte eben beide Ortschaften nach ihrer Lage am Erftmühlenbach unterschieden.

Erster urkundlich erwiesener Name des Ortes bzw. seiner Burg ist, wie oben gesagt, Bullengesheim -der übrigens nicht, wie es die Sage will, von der hier ausgeübten Bullenhaltung abzuleiten ist. Burgherren waren zunächst die Tomberger Pfalzgrafen, seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1747 die Herren von Bourscheidt, ein aus Luxemburg stammendes, in unserer Gegend weit verbreitetes Geschlecht. 1728 ließ der kurkölnische Kammerherr L. Fr. Adam von Bourscheidt die mittelalterliche Burg durch einen Neubau ersetzen, der zu den bedeutendsten profanen Denkmälern der Erftniederung gehört und als ein Werk des bekannten Baumeisters Johann Conrad Schlaun aus Münster gilt, der am Bau des Brühler Schlosses maßgeblich beteiligt war. Schlaun behielt von der mittelalterlichen Anlage die Zweiteilung, die Wasserumwehrung und den spätgotischen Torbau bei, das Herrenhaus errichtete er als schloßartigen Landsitz. Die aus Feldbrandziegeln gebaute Vorburg wurde nach einem Brand 1756 teilweise erneuert. Kleinbüllesheims "Kleine Burg", von der sich nur Mauerreste erhalten haben, ist 1873 ausgebrannt und dann verfallen; auf einer Abbildung der Großen Burg aus der Sammlung A. Duncker, die etwa um 1860 entstand, ist sie rechtsseitig erkennbar. Die Burg war eine einteilige, im 18. Jahrhundert erneuerte Hofesfeste mit übereck gestellter Einfahrt. Die Umfassungsmauern waren um 1950 noch größtenteils erhalten, desgleichen der Weiher an der Westseite.

In den Wiesen südlich der Burg zwischen der Straße nach Weidesheim und dem Erftmühlenbach deutete früher eine wallartige Erhebung, eine sogenannte "Motte", auf eine frühmittelalterliche Befestigungsanlage hin. Bei der Verlegung des Bachlaufes 1956 wurde sie eingeebnet und verschwand völlig.

Erkennbar ist dagegen noch ein römischer Straßenzug in den Feldern nördlich der Landstraße nach Strassfeld als kiesbefestigte Erhebung. Die Straße führte schnurgerade von Billig, dem römischen Belgica, südlich vorbei an Kleinbüllesheim durch den Hohlweg bei Metternich über das Vorgebirge bis zum heutigen Wesseling, wo sie auf die römische Rheinuferstraße traf.

Aus dem Bestreben, heimatvertriebenen Landwirten aus dem Osten die Verbindung mit Grund und Boden zu erhalten und ihren Familien eine zusätzliche Ernährungsgrundlage zu bieten, entstand 1955 westlich des Mühlenbaches ein neuer, gepflegter Ortsteil als sogenannte Nebenerwerbssiedlung, die auch die Möglichkeit der Viehhaltung in kleinem Umfang einschloß. Die angesetzten Siedler fanden Erwerbsmöglichkeit in den Industriebetrieben der Umgebung.