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Kessenich

Kessenich ist aus einem römischen Gutshof hervorgegangen. Nach Mürkens leitet sich der Name aus Castnec (856) = Castenacum her. Römische Funde unterstützen diese Annahme. 1897 wurde gegenüber dem Bartelshof ein römisches Brandgrab freigelegt. Es war aus römischen Ziegeln hergestellt worden und enthielt sieben kleine Kännchen mit Henkel und Ausguss sowie zwei schwarze Trinkbecher aus rotem Ton gebrannt. Eine Gesichtsurne, bei der das Gesicht eingeritzt war, barg die Asche der Toten. Ferner enthielt das Grab einen großen Henkelkrug. Die Anlage wurde auf das 2. Jahrhundert nach Christus datiert. 

Wegen der sich häufenden Fehden der im linksrheinischen Gebiet aufstrebenden Territorialfürsten siedelten um 1300 einige Kessenicher, wie auch Rüdesheimer und Disternicher, in das zentral gelegene Euskirchen um und suchten dort Schutz hinter der um 1270 entstandenen, zunächst nur aus Wall und Graben bestehenden Stadtbefestigung. Ein Teil der Kessenicher verließ seinen alten Siedlungsraum jedoch nicht, suchte vielmehr bei Gefahr und in Kriegszeiten Schutz in der um 1339 erstmals urkundlich erwähnten Burg Kessenich. Hier handelt es sich um eine ursprünglich zweiteilige Wasserburg, die unweit der Aachen-Frankfurter Heerstraße gelegen war. Sie war Sitz der Herren von Kessenich. 1339 trug Otto von Kessenich sein Burghaus, genannt "Stamge", dem Markgrafen von Jülich zu Lehen auf. 1363 wurde erstmals die Kessenicher Linie der Familie von Binsfeld Besitzer der Burg. Die Binsfelder blieben nach vorübergehendem Verlust Besitzer der Burg bis 1604. Heinrich von Binsfeld (geboren um 1526, gestorben 1576), der einem jülichschen Ministerialengeschlecht entstammte, heiratete 1548 Elisabeth von der Horst aus Burg Heimerzheim. Er errichtete Burg Kessenich 1562 völlig neu in einem repräsentativen Renaissance-Stil mit Wappen am Tor, an der Burg und am Kamin. Heinrich von Binsfeld war ein gebildeter, vom Humanismus des Erasmus von Rotterdam geprägter Edelmann. Er hat sich auch um die Martinskirche, wo er begraben wurde, verdient gemacht. Seine Grabplatte befindet sich seit 1934 an der Außenseite der Kirche. Sein schönes Marmorepitaph ziert den Chor der Martinskirche. 

Sein Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Richard Freiherr Walbot von Bassenheim. 150 Jahre blieb die Familie von Bassenheim Besitzer der Burg. Sie erweiterte das Herrenhaus der Burg um 1634 um einen südlichen Flügel. Sie stellte auch von 1643 bis 1735 die Amtsmänner des Amtes Euskirchen. 1769 ist eine Familie von Kleist Besitzer der Burg, danach waren bürgerliche Familien Besitzer der Burg. Erwähnenswert ist noch die ehemalige Gertrudis-Kapelle in Kessenich, einer Filialkirche von St. Martin. Sie lag neben dem Lindenhof. Es handelte sich um eine dreischiffige Anlage mit einem halbkreisförmigen, kuppelüberwölbten Chor und einem 15 m hohen Turm. 

Die Kapelle, 1278 erstmals erwähnt, verfiel im Laufe des 18. Jahrhunderts. Der Friedhof und die Reste des Kapellengebäudes wurden 1824 an Private verkauft. 

Der auch heute noch eindeutig von der Landwirtschaft bestimmte Charakter des Weilers Kessenich wird vornehmlich von einigen größeren Landwirtschaftsbetrieben geprägt, von denen der Bartelshof und der Lindenhof sowie das Gut "Friedrichsruh" erwähnt zu werden verdienen. 

Bereits seit der Stadterhebung Euskirchens im Jahr 1302 ist Kessenich kommunal mit Euskirchen verbunden. In seiner Sitzung am 19.11.2009 beschloss der Rat der Stadt Euskirchen, den Bereich Euskirchen-Kessenich als eigenen Ortsteil anzuerkennen.

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