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Euenheim

Der Stadtteil Euenheim, mundartlich schlicht "Euem" genannt, hält sich für den Vorüberfahrenden im Tal des Veybachs versteckt. Die Mehrzahl der Häuser reiht sich eh wie je an die engen Straßen in der Talsenke, und erst im vorigen Jahrhundert hat die 1833/38 gebaute Bonn-Schleidener Bezirksstraße (heute B 56/266) die Bedeutung ihrer Vorgängerin,

der "Alten Landstraße", übernommen. Stellt sie doch für die großen Gemeinden zwischen Mechernich und Schleiden die wichtigste Verbindungsader zum Rheintal her, und mit dem Straßenzug Bad Münstereifel-Düren bildete sie in der Ortsmitte ein wichtiges - leider aber auch unfallreiches - Verkehrskreuz. Inzwischen wurde dieser Unfallpunkt durch eine Ortsumgehung westlich des Ortskerns entschärft. Das hohe Alter der Siedlung Euenheim wird durch den Fund römischer Ziegelsteine erwiesen. G. Mürkens (Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen) neigt zur Erklärung des Namens Euenheim als "Schafsheim", nach dem althochdeutschen Bestimmungswort "ouwi", mittelhochdeutsch "ouwe" = Schaf. Das mit dem lat. "ovis" = Schaf urverwandte Wort kommt als Aue (Mehrzahl Auen) noch in Mundarten vor, ist aber aus der Schriftsprache verschwunden. Der Name Euenheim scheint zu besagen, dass hier die Schafe in großer Zahl zur Weide getrieben wurden. Die Wiesen beiderseits des Veybaches sowie Rodeflächen an den Rändern des Billiger Waldes werden hierzu Gelegenheit geboten haben.

Euenheim hatte schon um das Jahr 1000 ein eigenes Gericht. Erzbischof Anno II. von Köln (1057-1075) schenkte "Uenheim" nebst vielen anderen Besitzungen 1064 der Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg in Siegburg, die er in diesem Jahr gegründet hatte. Die Herrschaft Euenheim unterstand der Abtei Siegburg ununterbrochen fast 700 Jahre lang. Zur Unterherrschaft Euenheim zählte auch ein Teil des benachbarte Wißkirchen, und zwar derjenige, der auf dem rechten Ufer des Veybachs lag; der andere Teil des Ortes gehörte zum Amt Nideggen. Die Rechte der Unterherrschaft setzten sich zusammen aus den einkommenden Grundpachten (Steuern) der Bauern, aus dem Aufkommen aus 25 Morgen Busch sowie aus einigen anderen Gefällen, die z. B. im Jahre 1754 insgesamt 269 Reichstaler ausmachten. 1752 hatte die Abtei Siegburg die Unterherrschaft verkauft. Inhaber waren nacheinander die Freiherren von Lüning, Pfeil von Scharffenstein (1752) und Zum Pütz aus Köln (1778). Letztere erbauten am Veybach das heute noch stehende Gerichts- und Kellnereihaus, ein festes zweistöckiges Gebäude mit steilem Schieferdach, in dem der Unterherr sich einige Zimmer vorbehalten hatte. Da der Keller in kleine Räume aufgeteilt ist, vermutet man darin ein Gerichtsgefängnis. Johann Matthias vom und zum Pütz, der letzte Unterherr, war zugleich Generaleinnehmer für die jülichschen Unterherrschaften. Die 1794 einrückende französische Revolutionsarmee erklärte die Pachtrechte für aufgehoben, dem Unterherrn verblieben lediglich das Kellnereihaus und der Schlagbusch.

Auf dem Gelände des Friedhofes lagen der umfangreiche Pfarrhof und die alte Kirche. Dem Pastor stand der Zehnte an den Feldfrüchten des Dorfes zu, dafür mußte er "stieren, bieren (Eber) un widderen" in seinen Stallungen halten. Die Kirche am rechten Ufer des Veybaches war ein kleiner einschiffiger Bau aus Bruchsteinen. Der über dem Hauptportal befindlichen Jahreszahl 1750 zufolge stammte wohl der größte Teil des Gotteshauses aus dieser Zeit, wenn auch eine Kirche in Euenheim schon 1159 erwähnt wird. Die Kirche hatte einen kleinen Turm mit zwei Glocken sowie drei Altäre; die Seitenaltäre waren der Muttergottes und dem hl. Johannes von Nepomuk geweiht. Die heutige, dem hl. Brictius geweihte Kirche wurde 1857/76 nach den Plänen des Architekten August Lange aus Köln als dreischiffige Hallenkirche errichtet. Im Jahre 1800, zur Zeit Napoleons also, war die Pfarre Euenheim aufgehoben und an Euskirchen, später an Wißkirchen angegliedert worden. 1864 wurde die Kirche wieder zur selbständigen Pfarrkirche erhoben. 

Euenheim ist Sitz des Berufsbildungszentrums Euskirchen und wird in einem eigenen Karnevalslied beschrieben.