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Tuchfabrik Josef Schiffmann junior

Die Tuchfabrik Schiffmann junior ist eines der wenigen noch erhaltenen Gebäuden der Tuchindustrie mitten in der Stadt. Glücklicherweise ist das Gebäudeensemble zumindest teilweise erhalten. Denn es ist in mehrfacher Hinsicht ausgesprochen typisch für die Euskirchener Tuchfabrikation. Ende der 1880er Jahre gab es insgesamt 18 Tuchfabriken in Euskirchen, die knapp zwei Drittel aller Industriearbeiter der Stadt beschäftigten.

1883 gründete Josef Schiffmann, ein Spross der bereits seit Jahrzehnten erfolgreich tätigen Tuchfabrikanten-Familie Schiffmann, diese neue Fabrik und beschäftigte schon bald ca. 30 Arbeiter, die damals 13 Stunden pro Tag zu arbeiten hatten. Von dem stattlichen ursprünglichen Gebäude sind nach Beschädigung im Zweiten Weltkrieg im wesentlichen nur noch der linke Flügel des Hauptgebäudes und das Kesselhaus ( ganz rechts) weitgehend unverändert erhalten.

Der rechte Flügel wurde nach dem Krieg modernisiert. Die Anbauten zur Straße sind neueren Datums. In den frühen 50er Jahren erlebte der Betrieb mit vielen anderen Euskirchener Tuchfabriken die Krise der ganzen Branche. Das typische Euskirchener Uniformtuch wurde kaum noch nachgefragt. Die Öffnung der Grenzen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und extrem preiswerte und modische Streichgarnprodukte aus Prato in Italien machten der Euskirchener Tuchindustrie schwer zu schaffen. Viele kleinere Tuchfabriken mussten unter diesem Konkurrenzdruck ihre Tore schließen. Die Firma Josef Schiffmann junior traf es 1955. Zunächst nutzten andere Betriebe die Gebäude, dann stand Fabrikanlage in den 90er Jahren lange leer.