Details zur Straße

Dechant-Vogt-Straße

Ursprünglich auch "Kirchenringstraße" (1890), danach "Ringstraße" genannt. Nach der bereits in den 1906 projektierten "äußeren Ringstraße", musste diese Bezeichnung entfallen.

Der Name "Dechant-Vogt-Straße" wurde gewählt, um den verdienten Pfarrer (1.1.1836 bis 1865) von St. Martin (ab 1841 auch Dechant, dann auch Geistlicher Rat) Jakob Vogt zu ehren. Er wurde geboren am 4.11.1787 in Euskirchen. Wie alle wehrfähigen jungen Männer musste er als neuer "Rheinfranzose" (das Rheinland war Französisch geworden) in der französischen Armee Dienst tun.

Als französischer Soldat nahm er an Napoleons Feldzug in Spanien teil. Bürgermeister Krauthausen konnte den Euskirchenern auf dem Alten Markt in aller Öffentlichkeit verkünden, dass Jakob Vogt sich bei der Eroberung von Burgos ausgezeichnet habe und vor der Front des französischen Regiments öffentlich belobigt worden sei. Dass er bei alledem seine ethische Haltung nicht verloren hatte, bewies er später, als er sich nach der Eroberung von Saragossa an der Plünderung der Stadt nicht beteiligte. Hierauf von einem hohen Offizier angesprochen, erwiderte er, dass er das siebte Gebot noch nicht vergessen habe. Der Offizier war von dieser Haltung so beeindruckt, dass er ihm daraufhin eine goldene Uhr schenkte. Vogt machte 1811 sogar als Mitglied der elitären Kaisergarde den Russlandfeldzug mit und wurde erst 1814 als einer der letzten des Regiments in Fontainebleau aus der französischen Armee entlassen. Erst mit 27 Jahren konnte er die unterbrochenen theologischen Studien wieder aufnehmen.

Nach seiner Priesterweihe (1819) war er neun Jahre Kaplan an St. Peter in Köln und anschließend sechs Jahre Gefängnisgeistlicher im Kölner „Klingelpütz". Zwischen 1834-36 wirkte er als Seelsorger und Pfarrer in Friesheim, bevor ihm auf Wunsche der Euskirchener Bevölkerung die Pfarrstelle in St. Martin anvertraut wurde. 1855 gründete er, der die Leiden und Nöte kranker und hilfloser Menschen in seinem bisherigen Lebensweg zur Genüge kennengelernt hatte, mit Hilfe der Armenschwestern vom hl. Franziskus, Aachen, das Marienhospital, das durch Erlass des Preußischen Königs vom 4.7.1863 in die Rechtsform einer Stiftung des öffentlichen Rechts überführt wurde. Stiftungszweck war: Pflege erkrankter Armer und Versorgung alter und arbeitsunfähiger Personen. Dechant Vogt hatte aus seinem Familienvermögen das für das Marienhospital benötigte Areal in der Klosterstraße (heute Berliner Straße; teilweise Gelände des "Cityforums" und des "Klostergartens") angekauft und der Stiftung übertragen. Die Stiftung erweiterte das Gelände in der Folge durch den Ankauf weiterer Grundstücke bis zur Hochstraße und zum Neutorwall. Die Gebäude wurden durch Aufbauten in mehreren Abschnitten erweitert (siehe auch "Berliner Straße").

Vogt bemühte sich sehr um die Erhaltung der Klosterkirche, deren Abriss oder Fremdnutzung nach Vertreibung der Kapuziner, und erneut im Preußischen Kulturkampf, drohte. Mit seiner Hilfe wurde erreicht, dass die Klosterkirche von der Stadt angekauft und als Schulkirche für die Schulen der Stadt erhalten und in der Folge auch bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg genutzt werden konnte. Dechant Vogt starb am 3.1.1865 in Euskirchen. Er wurde zunächst auf dem Alten Friedhof an der Kölner Straße (heute Grünanlage vor dem Amtsgericht) beigesetzt, dann aber am 11.02.1937 zwischen Martinskirche und Stadtmauer umgebettet, wo ein Grabstein mit Kreuz bis heute an ihn erinnert.

Zwischen dem 7.6.1937 bis März 1945 hieß die Straße vorübergehend "Karl-Peters-Straße- nach dem deutschen Kolonialpionier (geboren 27.9.1856, gestorben 10.9.1918), der die ehemalige deutsche Kolonie "Ostafrika" gründete. Die beiden Kaplansbauten der Pfarre St. Martin in der Dechant-Vogt-Straße 3 und 5 wurden in den 1970er Jahren abgerissen und die Grundstücke verkauft. Mit dem Erlös konnte die Pfarre St. Martin zur Finanzierung des neuen Pfarrhauses, Kirchplatz 1, das am 13.10.1974 eingeweiht wurde, beitragen.

Die auf den Grundstücken entstandenen modernen Wohn- und Praxisbauten wurden so geplant, dass sie den Blick auf die Stadtmauer, den Dicken Turm und die Martinskirche nicht versperren.