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Niederkastenholz

Euskirchens Stadtteil Niederkastenholz, der vor der kommunalen Neugliederung am 1. Juli 1969 zum Amt Kuchenheim und bis 1932 zum Kreis Rheinbach gehörte, ist alter geschichtlicher Kulturboden. Nach Mürkens "Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen" ist Kastenholz bei den Römern ein lateinisches castanetum gewesen; castanea heißt lat. Kastanie, als Baum wie als Frucht (Marone). "Die Franken, die die Endung -etum nicht verstanden, hängten dafür -holz (Gebüsch, Wald) an, und so entstand der Name Kastenholz. Das in Urkunden von Niederkastenholz erwähnte Castellum in silva (Kastell im Walde) ist eine willkürlich gelehrte Umschreibung des Namens Kastenholz."

Der von Hockenbroich über Oberkastenholz nach Niederkastenholz sich hinziehende Höhenrücken, der heute der Ackerkultur erschlossen ist, wäre demnach zur Römerzeit ein Kastanienwald gewesen. Später wurde dort Weinbau betrieben; Rebsetzlinge aus Niederkastenholz, besonders von einem berühmten uralten Rebstock an der Burg, waren gesucht an Ahr und Mosel.

In Niederkastenholz haben sich viele Spuren römischer Besiedlung gefunden. So stammt der Laurentiusbrunnen in seinen Anfängen noch aus römischer Zeit; vor dem Brunnenhäuschen von 1912 sind Reste des römischen Auffangbeckens aus Gußmauerwerk zu erkennen. Leider ist das Wasser des Brunnens heute versiegt. Westlich der Straße von der Kirche zur L 518 wurde 1967 vom Rheinischen Landesmuseum Bonn eine römische Villa freigelegt. Im frühen Mittelalter wurde das Areal von Niederkastenholz fränkisches Königsgut wie das benachbarte Flamersheim und kam später unter die Verwaltung der Pfalzgrafen auf der Tomburg. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gelangte Niederkastenholz an die Reichsabtei Kornelimünster und wurde später selbst mit dem Westteil von Oberkastenholz reichsunmittelbare Herrschaft. Seit 1233 waren die Grafen von Jülich Schutzherren dieser Abtei und damit auch von Niederkastenholz. Der Ort erfreute sich bald der besonderen Gunst des Klosterpropstes, der öfters dort Wohnung nahm. Auch die Laurentiuskapelle verdankt wohl ihre Entstehung den Mönchen von Kornelimünster. Die kleine dreischiffige Pfeiler-Basilika des 12. Jahrhunderts mit Flachdecken in den Schiffen und einem Tonnengewölbe in dem quadratischen Chor gilt als eine der kunsthistorisch wertvollsten Kirchen in der Erzdiözese. Im 18. Jahrhundert wurde die Kapelle erneuert und mit einem Dachreiter versehen; aus dieser Zeit stammen auch die drei Barockaltäre. 1952/56 wurde der Innenraum neu ausgemalt, wobei Reste gotischer Fresken freigelegt werden konnten. 

Die Burg Niederkastenholz ist eine trotz der verschiedenen Bauperioden verhältnismäßig einheitliche und gut erhaltene Anlage, die den Burgencharakter rein bewahrt hat. Sie war bis 1802 ein Lehen der Abtei Kornelimünster und wird erstmals 1297 mit dem Ritter Walther von Kastenholz erwähnt. Von der früher zweiteiligen Wasseranlage sind nur die Weiher um das Herrenhaus erhalten. In einem Streit zwischen dem Rat der Stadt Köln und der Abtei Kornelimünster wurde Niederkastenholz 1365 von Kölner Söldnern geplündert. Über dem Eingangstor des Burghofes weist ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1648 auf den Erbauer, den Abt Heinrich von Friemersdorf gen. Pützfeld hin, dessen Epitaph in Kornelimünster erhalten ist. Der Erweiterungsbau der Burg vom Jahre 1756 wurde die Propstei genannt. 1807 wurde die Burg von der französischen Domänenverwaltung verkauft und wird seither landwirtschaftlich genutzt. 

In vielen Höfen an der Hauptstraße hat sich der fränkische Hoftyp rein erhalten. Das Bild des Stadtteils hat sich im Lauf der Jahre kaum geändert; Niederkastenholz ist heute noch eine Oase der Stille und Beschaulichkeit. Wie sorgsam die Bewohner des Dorfes mit ihrer Heimat umgehen zeigt sich in den zahlreichen Preisen bei dem Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden", für den 1978 eigens der "Garten- und Verschönerungsverein" gegründet wurde.

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