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„Der Stoff, aus dem Geschichten sind“

Ferien-Schreibwerkstatt für Jugendliche 2018
Pfingstferien in der Stadtbibliothek Euskirchen

Jede Reise will gut geplant sein, bevor der erste Schritt unternommen wird. Das gilt für das echte Leben wie auch für das Schreiben von Geschichten. Im Rahmen der Kulturinitiative respect4all des Kreises Euskirchen und gefördert über das Landesprogramm Kulturrucksack NRW bot die Stadtbibliothek deshalb dieses Jahr erstmalig eine Schreibwerkstatt als mehrtägiges Ferienprogramm an. Während der gesamten  Pfingstferien probierten sechs Jugendliche ab 12 Jahren aus, wie gute Geschichten funktionieren. Sie  bekamen die Möglichkeit, unter Anleitung an einer eigenen Geschichte zu arbeiten. Die Teenager aus unterschiedlichen Euskirchener Schulen lernten zudem Gleichaltrige mit ähnlichen Interessen kennen und erfuhren, dass das Hobby Schreiben nicht nur eine einsame Angelegenheit sein muss. Bei Wasser, Saft, Keksen und Obst liefen die Hirne dann vier Tage auf kreativen Hochtouren. Schnell bildete sich aus den ganz unterschiedlichen Jungen und Mädchen eine eingeschworene Gruppe.

Geleitet wurde sie vom Hanauer Autor Peter Schwindt, der neben Dreh- und Hörbüchern auch mehr als 15 Romane für Kinder und Jugendliche veröffentlicht hat. Neben seiner eigenen Schreibtätigkeit bringt der Schriftsteller seit einigen Jahren auch anderen Interessierten aller Altersklassen die Kunst des Geschichtenerzählens näher. Dazu gibt er regelmäßig Volkshochschulkurse für Erwachsene und besucht Schulklassen.

Nachdem interessierte Jugendliche ihn bei einer Autorenlesung am Welttag des Buches im April unverbindlich kennenlernen konnten, war er nun erneut in der Stadtbibliothek zu Gast, dieses Mal für eine ganze Ferienwoche. Anhand des Prinzips der „Heldenreise“ von Joseph Campbell entwickelten die Jugendlichen mit seiner Unterstützung eine fantastische Abenteuergeschichte in zwölf Schritten. Sie lernten die Wichtigkeit der Drei-Akt-Struktur kennen und erschufen nicht nur die Biografien der Heldin und ihrer Gegenspielerin, sondern auch die der anderen Figuren, denen die zentrale Figur auf ihrer Reise begegnet. Das war sehr anschaulich und leicht nachzuvollziehen, da die Tipps und Strukturen nicht nur für klassische Bücher funktionieren, sondern ebenso für Geschichten in Filmen, Computerspielen oder anderen Medien.

Zum Abschluss der Woche stellten die Teens am Samstag die Ergebnisse ihres erstaunlichen Arbeitseifers in einer informativen und unterhaltsamen Präsentation in der Stadtbibliothek öffentlich vor und viele Angehörige kamen. Der Schriftsteller Peter Schwindt beschrieb auch für diese kurz noch einmal die theoretischen Prinzipien einer guten Geschichte und die Jugendlichen füllten diese dann mit Leben, indem sie von ihren konkreten Ideen und dem Weg dorthin berichteten. In ihrer Geschichte „Das Buch der Macht“ erlebt die 15jährige  Heldin „Kiara Johnson“ allerlei Herausforderungen beim klassischen Kampf „Gut gegen Böse“. Julia Rittel, die Leiterin der Stadtbibliothek, zeigte außerdem Fotos vom Verlauf der Woche und erläuterte das Konzept und Ziele der Veranstaltung.
Natürlich kann eine komplexe Geschichte in vier Tagen nicht komplett geschrieben werden. Aber das Gerüst steht, die Hauptpersonen sind genau beschrieben und alle wichtigen Erzählstränge sind klar. Alles wurde auf unzähligen Plakaten und den großen Notizbüchern der Jugendlichen akribisch festgehalten. Laut dem sachkundigen Autor ist das der kreativste und schwierigste Teil bei der Geschichtenentwicklung. Jetzt müsste als nächster Schritt ganz viel Recherche zu den Details einzelner „Abenteuer“ erfolgen, bevor es dann an das tatsächliche Formulieren des Textes gehen könnte.

Die Teilnehmer sind jedenfalls fest entschlossen weiter daran zu arbeiten. Die Stadtbibliothek prüft jetzt, in welcher Form das realisiert werden könnte. Die Resonanz bei Familie und Freunden war ebenfalls überwältigend. Alle waren überrascht, wie kreativ, engagiert und qualitativ hochwertig ihre Kinder vollkommen freiwillig in den Ferien gearbeitet hatten. Viele Eltern nutzten die Gelegenheit, danach noch mit dem Schriftsteller ins Gespräch zu kommen. Die Stadtbibliothek plant aufgrund des positiven Feedbacks aller Beteiligten weitere Schreibwerkstätten anzubieten. Aufgrund der Erfahrungen wurde allerdings bereits mit den Jugendlichen diskutiert, ob diese in Zukunft nicht treffender „Geschichtenwerkstätten“ genannt werden sollten.