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Portal der Herz-Jesu-Kirche

Herz-Jesu-Kirche


Standort

Errichtet wurde die Herz-Jesu Kirche am östlichen Rand der Stadt, nachdem ein Teil des  Judenwalls und der Fangturm geschleift wurden. Die nach Nord-Ost ausgerichtete Kirche wurde 1906 - 1909 nach Plänen von Aloys Schlößer im neogotischen Stil errichtet und 1924 zur Pfarrkirche erhoben. Sie ist eine dreischiffige Hallenkirche von 62 m Länge und 23,80 m Breite mit vierjochigem Langhaus, einjochigem Querhaus (33,90m x 11,70m) und mit polygonalem Chorabschluss. Dem Langhaus ist ein fünfgeschossiger Turm mit Turmhelm vorgelagert (40m/30m). Im Sockelbereich ist Niedermendiger Bruchstein, ansonsten weißer Tuffstein verwendet.

An Heiligabend 1944 legte eine Luftmine die neogotische Kirche in Trümmer. In den 50er Jahren wurde diese unter Leitung des Architekten Gottfried Böhm wieder aufgebaut und teilweise umgestaltet. 1975/76 wurde die Herz-Jesu-Kirche vollständig restauriert.

Das Portal

Das Hauptportal im Untergeschoss des Turmes ist ein Spitzbogenportal mit glatter Laibung und mit eingefügten Pfosten, worauf Sturz und Bogenfeld lagern. Zwei vorgesetzte Säulen über quadratischem Grundriss flankieren das Portal neben der wenig profilierten Umrahmung. Diese ragen mehrfach gestuft, in Sturzhöhe mit einem Gesims und Zahnschnittfries besetzt und mit einem Kreuzdach abschließend bis zur Portalhöhe empor.

Das Relief im Bogenfeld

Das Tympanon, aus Sandstein gearbeitet, zeigt das Thema des guten Hirten. Der Bildhauer Helmut Moos hat hierin die Evangelienworte verbildlicht:" Ich bin der gute Hirte. Ich bin die Tür. Wer durch mich eingeht, der wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden." (Joh.10, 11-14)

Im Hochrelief angelegt, füllt die ruhig, friedliche, aber pulsierend lebendige Herde aneinandergeschmiegter Schafe ein diagonal eingeschriebenes Quadrat, an dessen unterer Ecke der standfeste, aber einfühlsam schützende Hirte, frontal zum Betrachter gerichtet, sich vor seine Schafe gestellt hat, mit geöffneten Armen zu Auf- und Annahme bereit.

In der Nähe des Hirten wirken die Schafe mit ihren weich abgerundeten Körpern als Individuen, wohingegen mit zunehmender Ferne die Schafe immer mehr zur Einheit verschmelzen. Eine ruhige, vielleicht eher beruhigende, ausgewogene Dynamik lässt den Betrachter wie im Sog einziehen bzw. durch das Portal in den Kirchenraum eintreten.

Das Bronzeportal

Das zweiflügelige Portal lädt mit den Reliefdarstellungen noch eindringlicher zum Eintreten in das Gotteshaus ein. Helmut Moos gibt hier Kunde von göttlicher Liebe bzw. Zuwendung zum Menschen.

In der ihm eigenen nüchtern sparsamen Formensprache hat der Bildhauer fünf Themen in Flachreliefs gefasst, drei auf dem linken Türflügel und zwei auf dem rechten. Einerseits sehen wir "göttliche Wunder" - Geburt Jesu, Heilung eines Kranken, Abendmahl - und andererseits "menschliche Tat" - Schweißtuch Christi und Durchbohrung des Herzens Christi am Kreuz.

Wenn wir aber die Tür öffnen, so haben wir nur die "wunderbaren Einladungen" Jesu Christi vor Augen, worin das Thema vom guten Hirten im Tympanon fortgeführt und somit die Einladung des liebenden Christus verstärkt ist.

Die fünf Reliefdarstellungen sind durch ein vertikal gerichtetes Dornenornament, mal tiefer oder auch mal nur schwach eingelassen, untereinander verbunden, aber zugleich auch somit eingerahmt und wie Stationen aufgefasst.

Entstehung des Portals

Als die Herz-Jesu-Kirche in den 1950er Jahren wieder aufgebaut wurde, lernte der Bildhauer Moos den Pfarrer Joseph Heindrichs kennen, mit dem er für einige Gestaltungsaufgaben ins Gespräch kam und so auch wegen der Portalgestaltung im Jahre 1962. Helmut Moos selbst bemerkt, dass er sich bereits während seiner Studienzeit mit Blick auf die Entstehungszeit dieser nach innen gerichteten Frömmigkeit um heutige Formfindung der Herz-Jesu- Verehrung bemüht habe. So konnte er auch dem Kreisdechanten Heindrichs gegenüber aus seiner krassen Abneigung keinen Hehl machen, als er die Herz-Jesu-Figur an der Kirche hoch am Turm schweben sah.

Also schlug der Bildhauer vor, diese Figur herunterzuholen und den Namen der Gemeinde in real verständlichen Bildern aus der Bibel am Eingangsportal zu gestalten. "Pfarrer Heindrichs war einverstanden und fand als Stifter den Ministerpräsidenten Franz Meyers." Nun entstand das Werk in den Jahren 1962- 63. Ostern 1963 konnte das neue Portal der Gemeinde übergeben werden.

Motiv: Guter Hirte - "Wunder" und "Taten" Jesu Christi
Maße: Tympanon: ca. 250 x 250cm; Portalflügel: ca. 250 x 300cm
Technik: Tympanon: Sandstein, Portal: Bronze
Entstehung: 1962/63
Entwurf / Ausführung: Helmut Moos

Intention

In intensiver Auseinandersetzung mit der Gemeinde und Kreisdechant Heindrichs entwickelte der Bildhauer die Idee, die Thematik der Herz-Jesu-Verehrung von der Auffassung der Volksfrömmigkeit loszulösen und die Herz-Jesu-Verehrung als Bekundung von Zuneigung und Liebe Jesu aufzufassen. Damit ist Helmut Moos auf den Ursprung der Herz-Jesu-Verehrung zurückgegangen und hat in seinen "Bildstationen" die biblische Botschaft göttlicher Liebe in Gleichnis und Tat Jesu Christi verbildlicht.

Helmut Moos

1931 geboren in Bonn
1949-58 Studium bei Josef Jaekel, Köln, Gerhard Marcks, Köln, Hans Wimmer, Nürnberg
1958 Heirat mit Hildegard Heindrichs, drei Kinder
1959 Atelier und Wohnen in Bensberg-Lustheide
1975 Zweitatelier in einer historischen Eifelmühle
1991 Umzug von Bensberg nach Bonn

Neben zahlreichen Kleinplastiken von Menschen und Tieren schuf Helmut Moos profane Denkmäler, aber einen besonderen Akzent setzen seine Werke für sakrale Räume, so u.a. Altäre, Kruzifixe, Portale oder zuletzt eine Kanzel für den Braunschweiger Dom.

Lit.: Helmut Moos, Skulpturen, Katalog Städt. Galerie Villa Zanders Bergisch-Gladbach 2001

Entnommen aus: KUNST/DENKMAL IN EUSKIRCHEN HERAUSGEBER: EMIL-FISCHER-GYMNASIUM EUSKIRCHEN, Bearbeitet von Claudia Jordans und Irma Harder, 13. Jg.

Dez. 2001

Fotos: Gregor Jonas