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Mutter vom guten Rat

Entstehungsgeschichte

Die Kapelle der "Mutter vom Guten Rat" wurde ohne jegliche Unterstützung durch kirchliche oder staatliche Zuschüsse in den Jahren 1901/02 von den Bewohnern des kleinen Dorfes Rheder ganz aus eigenen Mitteln und tätiger Mitarbeit errichtet. In der Bestandsaufnahme denkmalwerter Bauwerke des Kreises Euskirchen  wird sie als ein Gesamtkunstwerk seltener Güte beschrieben, " …in neugotischen Formen errichtet,…verdient dieses kleine originelle Bauwerk eine besondere Erwähnung, da hier zusammen mit der qualitätvollen und kompletten Ausstattung aus der Erbauungszeit und dem aufwendigen, originalen, umgebenden, schmiedeeisernen Gitterzaun ein Gesamtkunstwerk seltener Güte erhalten ist." Die Initiative zur Errichtung der Kapelle ging auf das Gelübde eines Sohnes von Rheder zurück, auf den späteren Ehrendechanten und Pfarrer von Keldenich, Monsignore Jakob Wolfgarten. Er wurde 1850 geboren, studierte in Münster Theologie und Philosophie und trat 1875 in das Priesterseminar zu Köln ein.  Infolge des Kulturkampfes wurde das Priesterseminar 1875 geschlossen, und J. Wolfgarten musste, um seine Ausbildung fortsetzen zu können, ins Ausland gehen. In Meaux, ca. 40 km östlich von Paris, fand er freundliche Aufnahme und wurde dort zum Priester geweiht. Seine erste Anstellung erhielt er in Chambry bei Meaux, wo er von 1876 - 1885 als Priester wirkte und große Anerkennung und Beliebtheit genoss. Aus seinen Briefen an die Familie ist jedoch zu entnehmen, dass er seine Heimat sehr vermisste. Das Gebet in einer Kapelle der "Mutter vom Guten Rat" soll ihm oft Trost und Hilfe gebracht haben, und dort legte er das Gelübde ab, wenn es ihm je vergönnt sein sollte, wieder zurückkehren und in seinem Heimatland als Priester wirken zu können, so wolle er in seinem Heimatdorf Rheder eine neue Kapelle errichten für die "Mutter vom Guten Rat", bei der er in der Fremde Trost und Rat gefunden hatte. Als der Kulturkampf sich dem Ende zuneigte, folgte Jakob Wolfgarten gern der Aufforderung der Erzdiözese Köln, die Pfarrverwaltung der Pfarrei Bechen bei Köln zu übernehmen, wo er von 1885 bis 1891 blieb. Dann wurde er zum Pfarrer von Keldenich bei Kall ernannt. In Keldenich wirkte er 40 Jahre, von 1891 - 1931. Er starb am 4. Januar 1934 im St. Barbara Kloster in Kall und wurde in Keldenich begraben.  Nach seiner Rückkehr aus dem Exil in die Heimat hat J. Wolfgarten das Gelübde eingelöst und in seinem Heimatort mit seinen Verwandten und Mitbürgern den Plan wahr gemacht, der "Mutter vom Guten Rat" eine Kapelle zu errichten. Ein Kapellenbau-Comité wurde gebildet und zunächst einmal Geld gesammelt. Die Geldspende war verbunden mit der frommen Sitte des "Lebendigen Rosenkranzes", einer in der Eifel früher vielfach üblichen Gebetsgemeinschaft. Die Mitglieder zogen sich jeden Monat ein Blättchen mit einem Gebetsandenken, das bescheiden dekoriert war und die entsprechenden Gebetsreime enthielt. Man verpflichtete sich damit, denjenigen Rosenkranz, den man gezogen hatte, in diesem Monat täglich mit der Familie zu beten. Gleichzeitig spendete man monatlich damit jeweils eine oder zwei Goldmark für den Kapellen bau. Die Gebetszettel wurden wieder eingesammelt und wieder verwendet. Das Bittgesuch an das Erzbischöfliche Generalvikariat für den Bau der Kapelle stellte Jakob Wolfgarten am 29. März 1897 und am 23. Juni 1901 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung der Kapelle und der Bau der Kapelle nach den Plänen des Architekten Renard, des Dombaumeisters von Köln.


Außenbau
Die Kapelle liegt parallel zur heutigen B 51 in nord - südlicher Richtung, etwa an der Stelle eines kleines, das um 1830 abgerissen werden musste. Sie ist in neogotischen Formen aus Ringofenziegeln errichtet, unter sparsamer Verwendung von Werksteinteilen, die im Maßwerk aus Tuff, sonst aus Sandstein bestehen. Das zweijochige Langhaus ruht auf einem durch halbe Steinbreite abgesetzten Sockel und wird durch Strebepfeiler und Kaffgesims  gegliedert; unter dem Traufgesims ein Klötzchenfries. Das Schieferdach des Langhauses wird am Choreinzug durch eine geschwungene Stufe mit dem des Chores verbunden. An der östlichen Chorlängswand befindet sich ein Sakristeianbau. Der Giebel ist mit weißgetünchten Blendbögen gegliedert. Die kleine Eingangsvorhalle wird durch einen großen Spitzbogen geöffnet, der in der Kehle eingelassene Wulstrippen auf achteckigen Postamenten zeigt. Über dem Giebel der Eingangshalle setzt ein achteckiger, nach oben runder Glockenturm an. Ihm ist ein achteckiges hölzernes Glockengeschoss mit spitzem, achteckigem, verschiefertem Helm aufgesetzt. Ursprünglich waren Glockengeschoss und Helm höher und spitzer. Nach der starken Beschädigung des Turms im Zweiten Weltkrieg wurde er so kostensparend wie möglich repariert, und erhielt diese veränderte Form. Das neugotische helle Sandsteinkreuz und die beiden Fialen die sich ursprünglich über dem Eingangsgiebel befanden und kriegszerstört waren, sind noch nicht wieder restauriert. Sie wurden 1999 durch eine schwarz-graue  Kreuzblume ersetzt, einem Bauelement, das für die Neugotik typisch war.

Innenraum
Im Innern öffnet sich ein heller zweijochiger Saalkirchenraum mit den lichten Maßen 14,8m x 6,6m x 6,6m. Der spitzbogige eingezogene Triumphbogen mit der Umschrift "MARIA, MUTTER VOM GUTEN RAT, BITTE FÜR UNS!", führt in den eingezogenen polygonen und um eine Stufe erhöhten Chor mit 5/8 Schluss. Die Rippen seines stark gebusten Sterngewölbes ruhen auf Konsolen. Die Innenausmalung der Kapelle erfolgte erst 1933.  Ein Skizzenentwurf des Architekten Colombo von 1922 sah eine neugotisch stilisierte Ausmalung mit den typischen Schablonendetails vor. Diesen Entwurf  legte man dem Erzdiözesankonservator Dr. Schumacher vor. Er kritisierte ihn vernichtend und lehnte ihn völlig ab "als zum Schlechtesten und Schlimmsten gehörend, was ihm in seiner Amtszeit je vorgelegt wurde". Die Zeit der Neugotik war 1933 endgültig vorbei, andere Geschmacks- und Stilrichtungen hatten sich durchgesetzt. So kam es zu der schlichten hellen Ausmalung nach dem von der Erzbischöflichen Behörde genehmigten Entwurf des Kirchenmalers Vinzenz Hertel. Wenn man die Kapelle betritt, geht der Blick durch den hellen, hohen Raum unmittelbar auf das Titelbild der Kapelle die, "Mutter vom Guten Rat" ( s. Altarretabel).  Der gute Rat des Gottessohnes, vermittelt durch Maria, ist das beherrschende Thema der Kapelle. Ihn greift auch die Innenausmalung auf: In einer Umschrift am Triumphbogen liest man auf hellgrauem Band in goldenen Lettern: "Maria, Mutter vom Guten Rat, bitte für uns!" Eine Inschrift am Eingang unter der Empore und die Glasmalereien in den Chorfenstern ordnen sich dem Thema ein.


Fenster
Im Langhaus befinden sich dreibahnige, spitzbogige Maßwerkfenster mit Blattmustern. Im Chorraum drei Lanzettfenster mit Dreipass und gegenüber der Sakristeitür ein zweiteiliges Spitzbogenfenster. Die aufwendige Glasmalerei wurde von den Angehörigen Jakob Wolfgartens gestiftet und von der Firma Schneiders und Schmalz, Köln - Lindenthal, hergestellt. Sie zeigt links St. Aloysius von Gonzaga mit Lilie, Kreuz und Rosenkranz. In der Mitte ein Herz-Jesu-Bild mit der Unterschrift "Herz-Jesu Quelle allen Trostes", rechts St. Catharina mit Schwert, Krone und Palmzweig. Die Figuren stehen unter säulengetragenen, mit Maßwerk verzierten Baldachinen. Der heilige Aloysius von Gonzaga (linkes Fenster), der als junger Adliger an mehreren Fürstenhöfen lebte, empfing Rat von einem "überaus schönen, durch viele Wunder geheiligten Bild Unserer Lieben Frau vom Guten Rat" in der Augustinerkirche zu Madrid. Er wurde 1726 heilig gesprochen und gilt seit 1729 wegen seiner Reinheit und selbstlosen Liebe für die Pestkranken in Rom als Patron der Jugend, vor allem der für ihre Studien Rat suchenden akademischen Jugend. Auch die heilige Catharina (rechtes Fenster) wird von den Universitäten als Patronin in Anspruch genommen, als Helferin, um die rechten Worte zu finden wie sie, die fünfzig Philosophen überzeugen konnte. Man darf wohl annehmen, dass die Themen für die Glasmalereien, die ja Stiftungen der Familienangehörigen J. Wolfgartens sind, nach gemeinsamer Absprache gewählt wurden, also auch seinem Wunsch entsprachen. Das Lourdesfenster (ganz rechts) nimmt auch Bezug auf den persönlichen Erlebnisbereich des Gründers. Zweimal hatte er eine Pilgerreise nach Lourdes unternommen. Das zweiteilige Fenster gegenüber der Sakristei zeigt vor der Marienerscheinung in der Grotte von Lourdes eine kniende Klosterfrau und trägt die Unterschrift: Unsere liebe Frau von Lourdes, bitte für uns! Die geistliche Thematik der Kapelle ist also nicht, wie in dörflichen Kapellen sonst häufig, mit beliebten lokalen Heiligen und Nothelfern für die praktischen Fragen des Lebens, auf die bäuerlichen Sorgen und Nöte einer ländlichen Bevölkerung angelegt, sondern sie ist ganz ausgerichtet auf die hilfreichen Erfahrungen, die der Initiator der Kapelle Jakob Wolfgarten in seiner Jugend als Student und im Exil für seine geistlichen Anliegen gewonnen hatte.

Innenaussstattung
Der jetzige Bestand der Kapelle geht bis in Einzelheiten weitgehend noch auf die Erbauungszeit zurück, ein glücklicher Umstand, der heute schon als Besonderheit gilt. In beiden Teilen der Kirche ist der Fußboden mit Mettlacher Kacheln geplattet; im Chorraum ist das Muster aufwendiger und bunter als im Langhaus. Das Muster wurde passend für die heute noch originale vollständige Bestuhlung konzipiert. Die ursprüngliche, umlaufende Fußleiste aus blanken Kacheln, in der Farbe dem Fußboden angepasst, wurde bei der Renovierung in den 1990er Jahren entfernt.  Die Bänke aus Eiche haben Wangen mit Maßwerkblendfeldern und durchbrochene Laubwerkaufsätze; es gibt außerdem zwei aufwendiger als die Mittelbänke gearbeitete Bet- und Kniebänke und ein Messtischchen. Die Kommunionbank, eine Stiftung von Jakob Wolfgarten, war 1902 noch nicht vorhanden. Aber die Erhöhung der Altarmensa beweist, dass sie in Höhe und Länge bereits geplant war. Die kostbare Ausschmückung der Kommunionbank zeigt hinter Glas ein zum Teil vollplastisches Abendmahlsbild in originalfarblicher Fassung, teilweise Goldfassung, mit Maßwerkverzierungen. Im Langhaus hängen 14 zeitgenössische Kreuzwegstationsbilder, Öl auf  Kupfer, in neugotischen Eichenrahmen. Sie wurden ein Jahr nach der Einweihung (1903) fertig gestellt. Über dem Eingangsportal befindet sich eine kleine Orgelempore, die auf vier abgefassten Holzpfeilern ruht. Im Brüstungsteil der Empore ist ein kleines, teilweise vollplastisches Maßwerk. Aus neuester Zeit stammen die Holzbildwerke an den Querwänden des Choreinzugs, links St. Joseph mit Säge und Hobel, rechts Mutter vom Guten Rat mit Unterschrift: "Was er euch sagt, das tut!", beide sind Stiftungen aus Rheder. Im Eingangsraum hängen zwei hölzerne Schrifttafeln, links mit den Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege aus Rheder, rechts mit dem Namen Jakob Wolfgartens und der Erinnerung an seine Verdienste für die Gründung der Kapelle. Sie hängen an den Stellen, wo der Kirchenmaler Vinzenz Hertel 1933 nach Vollendung der Innenausmalung Inschriften desselben Inhalts auf die Wände malen ließ. Hertel hoffte damals, wie aus der Korrespondenz hervorgeht, dass Wolfgarten die kurz vor seinem Tod fertig gewordene Innenausmalung noch sehen könne. Der jetzt im Eingangsraum hängende achteckige hölzerne Leuchter wurde gleich nach dem Ersten Weltkrieg zu Ehren und zur Erinnerung der im Krieg gefallen oder vermissten acht Söhne Rheders im Kirchenschiff aufgehängt. Ihre Namen sind auf den Leisten eingebrannt. Bei der Ausmalung des Kapelleninneren 1933 musste er entfernt und durch eine einfache elektrische Lampe ersetzt werden. Nachdem man den als verschollen geglaubten Leuchter 1990 unter dem Kapellendach wieder fand, wurde er restauriert, zunächst in der Sakristei, dann im Vorraum aufgehängt. Noch ein weiteres Stück der originalen Inneneinrichtung entdeckte man bei der letzten Renovierung 1994 auf dem Dachboden. Ein dickes Brett mit gotischen Schnitzverzierungen zeigte nach der Entfernung einer dicken Staubschicht beidseitig eine gut erhaltende Bemalung: eine schlichte Darstellung des Hl. Michael mit Lanze und Drachen. Oben eingeschnitzt befindet sich in die Inschrift: "Ihr werdet sein wie Gott", unten steht: "Hl. Michael o.p.n." Ursprünglich gehörte er sicherlich in die Aufhängung des achteckigen hölzernen Leuchters. Heute ist das Bild des Hl. Michael  anein Lektorenpult angearbeitet. Im Chorraum befinden sich sechs schöne Messingleuchter aus der  Erbauungszeit, zusammen mit einem anderen Leuchter aus Messing für sechs Kerzen, auf dem ausgestanzt die Schrift erscheint: Süßes Herz Maria, sei meine Rettung!" Er wird auf die Kommunionbank gestellt, wenn der Rosenkranz gebetet wird und bei Totenwachen. In den letzten zwei Jahrzehnten sind noch zahlreiche Gegenstände zur Vervollständigung der sakralen und praktischen Ausstattung der Kapelle gestiftet worden: Das Ewige Licht, ein Weihwasserkessel mit Ständer, zwei große schmiedeeiserne Leuchter, auf einem von ihnen steht die Osterkerze, ferner schmiedeeiserne Blumenständer, ein Teppich, der die Stufen vor dem Altar bedeckt, ein dem neugotischen Mobiliar in der Machart angepasster Holzstuhl im Chorraum und draußen eine Fahnenstage.


Der Altar

Der Hauptaltar ist eine Steinmensa mit vier Frontsäulen aus Blaustein mit Blattkapitellen; er steht auf schlichten hölzernen Stufen aus der Erbauerzeit. Das dreiteilige vergoldete Altarretabel mit drei von Säulen getragenen Baldachinen, deren Böden mit Maßwerk gefüllt sind, wird von Fialen- und Kreuzblumenaufsätzen gekrönt. Unter den Baldachinen stehen zwei vollplastische, farbig gefasste und teilweise vergoldete Holzbildwerke, links ein Herz-Jesu-Bild, rechts mit Lilie und Buch St. Josef. Ursprünglich standen dort rechts mit Krone und Kreuz die Hl. Helena, die auf die Zugehörigkeit zur Pfarre Heilig Kreuz Bezug nimmt, links eine Ordensfrau mit Geißel und Kruzifix (entweder Thersea von Avila oder Hl. Margarethe). Diese Bildwerke befinden sich jetzt gegenüber vom Altar an den Pfosten der Eingangsempore. Im Mittelfeld steht das Titelbild der Kapelle, die Mutter vom Guten Rat; es handelt sich dabei um eine gute, goldgerahmte Kopie, Öl auf Metall, nach einem Bild des französischen Historienmalers Diogéne Maillart ( geb. 1840). Maria, die Mutter vom Guten Rat, neigt das Ohr lauschend dem Jesusknaben, der den rechten Arm um ihren Nacken legt, um ihr ganz nah und leise den guten Rat für den betenden Betrachter sagen zu können. "Was er euch sagt, das tut!" Das Altarretabel war ursprünglich weder farblich gefasst noch vergoldet. Die das Altarbild jetzt so wirkungsvoll hervorhebende Goldfassung wurde erst 1933, als die Kapelle ausgemalt wurde, vorgenommen. Die Bezahlung dafür hat Jakob Wolfgarten selbst übernommen. Angesichts starken Holzwurmbefalls war eine konservierende Maßnahme nötig geworden, und diese Lösung galt damals technisch und denkmalpflegerisch als die beste.

Das Gitter
"Der aufwendige, originale, umgebende, schmiedeeiserne Gitterzaun, der die Kapelle auch schon von außen zu einem neugotischen Gesamtkunstwerk von seltener Güte" (Bestandaufnahme denkmalwerter Bauwerke des Kreises Euskirchen) ergänzt, wurde 1910 von dem aus Rheder stammenden Schlossermeister Anton Weber aus Bonn angefertigt und aufgestellt. Neben der strengen Gliederung der Neugotik enthält er bereits die floralen Elemente des Jugendstils. Pflege und regelmäßige Restaurierungen sind notwendig um das kostbare Gitter zu erhalten. 


Die Glocken
Im Turm befinden sich heute drei Glocken, die nach dem Zweiten Weltkrieg angeschafft worden sind. Als die Kapelle 1902 eingeweiht wurde, ging dies noch ohne Glocken. Zwei Glocken aus der Glockengießerei Bour & Guenser Metz mit dem Gewicht von 94,5 kg bzw. 54,4 kg konnten, genauso wie der Kreuzweg, 1903 eingesegnet werden. Nach dem Ersten Weltkrieg hat es in Rheder nur noch eine Glocke gegeben. Die kleinere der beiden Glocken war vermutlich 1917 abgeliefert und eingeschmolzen worden. Denn im Jahr 1930 wurde im Kirchenvorstand beschlossen, "eine zweite Glocke, Ton gis", zu der ersten, vorhandenen Ton "f", bei der Fa. Mabilon in Saarbrücken zu bestellen, Durchmesser 48 cm, 70 kg Gewicht.. Diese beiden Glocken wurden zu Rüstungszwecken 1942 eingeschmolzen. Schon bald nach Kriegsende gab es durch einen glücklichen Zufall in Rheder wieder eine, wenn auch kleine Glocke. Eine Glocke war nach dem Abzug der amerikanischen Truppen auf dem Bahnhof in Euskirchen stehen geblieben; Matthias Weber aus Rheder erreichte es, dass diese Glocke in Rheder läuten durfte. Sie hängt heute noch, fest an die Wand des Turms montiert, unterhalb der anderen Glocken. 1951 wurde aus Spenden der Filialgemeinde Rheder eine 78 kg schwere Glocke, Ton fis, mit der Inschrift: MATER BONI CONSILIE (so!) O.P.N.1951 angeschafft. Darüber befindet sich ein 14 cm hohes Bild der Himmelskönigin mit Kind. Der grammatikalische Fehler "CONSILIE" statt "CONSILII" ist inzwischen berichtigt worden, indem man die Querbalken des "E" beseitigte.    Der Besitzer der Fa. Kalff, Rheder, spendete ein Jahr später die zweite Glocke mit dem Gewicht von 50 kg, Ton "gis" und der Inschrift: ST: BERNARDE PRAEDICATOR B.M.V. O.P.N. ( Hl. Bernard, Lobredner der Gottesmutter, bitte für uns!) In der Zeit von genau 50 Jahren hat das kleine Dorf Rheder fünf Glocken für seine Kapelle angeschafft und außerdem durch glücklichen Zufall und geschicktes Handeln die kleine Behelfsglocke erhalten. Jede diese Glocken hat ihre eigene kleine dörfliche Geschichte. Dass die drei ersten Glocken zwei kriegen sinnlos zum Opfer fallen mussten, ist eine traurige Bilanz, die im Kleinen deutlich das allgemeine Zeitgeschehen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spiegelt. Im Blick auf die beiden vorhandenen neuen Glocken von 1952 darf man daher dankend feststellen, dass sie nun schon länger im Dorf läuten als die drei untergegangenen alten es konnten. 

Lit.:

Friederike Kuhl, 100 Jahre Kapelle Rheder, 1902 - 2002, Kirchenbauverein Kreuzweingarten - Rheder (Hrsg.), Euskirchen 2002
Friederike Kuhl, Die Kapelle in Rheder, in: 750 Jahre Rheder - 1240 - 1990, S. 78 - 118, Interessengemeinschaft 750 Jahre Rheder, Bad Münstereifel, 1990